Colombia


Nun wurde aber alles ganz anders. Beim ersten abendlichen Ausgang durch die Altstadt Cartagenas, gemeinsam mit einem 2m großen Niederländer und dem in Honduras kennengelernten, in Costa Rica und nun hier wiedergetroffenen Engländer, stießen wir auf einen kleinen Pulk von auf der Straße sitzender, wohlgelaunter, musizierender Kolumbianer. Wir wurden umgehend zum Rumtrinken und Herumtanzen eingeladen. Sie spielten und sangen und wir tranken und tanzten, durch- und ganz besonders miteinander die halbe Nacht auf der Straße.

Ein paar Tage später unternahm ich von Santa Marta aus eine 2-tages Tour durch den Tayrona Nationalpark und lernte ein interessantes Frühwarnsystem der im 16. Jahrhundert durch die Kolonialmächte ausgerotteten Tayrona-Indianer kennen.
Die Wege zu den Dörfern wurden meist mit riesigen Steinplatten angelegt, da diese durch dicht bewachsenes, unwegsames Terrain führten. Die Platten wurden an manchen Stellen so platziert, dass sie beim Überschreiten leicht aufeinander schlugen. Der dabei entstehende dumpfe Sound warnte somit die Dorfbewohner vor herannahenden Feinden.

Eingeladen von einem kolumbianischen Studenten, verbrachte ich Tage später eine kurze Zeit in seiner liebevollen WG in Buccaramanga. Dort erhielt ich einen tiefen Einblick in das alltägliche, kolumbianische Studentenleben. Zu der Schlagermusik aus dem Radio wurde sehr häufig gemeinsam gesungen, es wurde unglaublich viel Fernsehen geschaut und noch viel mehr gesoffen. Die Mitbewohner waren stets darauf bedacht, mir einen großzügigen Ein- und Rundum-Blick zu verschaffen. Das endete meistens damit, dass wir durch große Einkaufszentren oder auch ziellos durch die umliegenden Dörfer liefen. Die Studenten präsentierten voller Freude und südamerikanischem Stolz jeden Winkel ihrer Stadt und den Reichtum der Auslagen in den modernen Geschäften, wohingegen ich mich eher in den umliegenden, hübschen Örtchen äußerst beeindruckt zeigte. Ganz besonders beim Genuss einer lokalen, mir bis dahin nicht bekannten salzigen Snack-Alternative. Geröstete, 2 cm große Ameisen. Der Geschmack erinnerte sehr stark an Erdnüsse. Allerdings mit nichts zu vergleichen sind die anschließenden Bemühungen zur Entfernung der in den Zahnzwischenräumen steckengebliebenen Beinchen.

Ab nun sollte es relativ kalt werden. Der weitere Weg verlief jetzt über die Andenkordilleren, von Buccaramanga über die Großstadt mit Kleinstadtcharakter Tunja, des in der fossilienreichen Region befindliche Dörfchen Villa de Leyva, der Hauptstadt Bogotá nach Sán Agustin und Tierradentro.

In Sán Agustin liegt eine der wohl eindrucksvollsten Ausgrabungsstätte Südamerikas. Mit dem Pferd und einem Führer besuchte ich die 4 Fundstellen von Grabruinen und Steinskulpturen, die Rund um das Dorf verteilt liegen. La Chaquina, El Tablón, El Purutal und La Pelota. Der nächste Tag gestaltete sich mit dem zu Fuß erreichbaren Besuch des Parque Arqueológico y Museo.

Weitere Infos über San Agustin: http://www.ancient-wisdom.co.uk/columbiasanagustin.htm

Nicht minder eindrucksvoll waren die teils auf einem Pferderücken, teils auf eigenen Treckingschuhen verübten Exkursionen in der Region rund um Tierradentro.

Eine Fundstelle weiterer Steinskulpturen und Schachtgräbern im Siedlungsgebiet der Páez-Indianer. Die Landschaft ist einfach atemberaubend. Dieses Areal ist eines der faszinierendsten Kolumbiens, die ich kennen gelernt habe.

Gefolgt von Empfehlungen, Abenteuerlust und Wissensdurst führte mich mein Weg von Popayán in den ca. 30 km entfernten Puracé Nationalpark. Eine wahrlich riskante Aktion, da man diesen nur mit einem unregelmäßig verkehrenden Bus oder einem überteuerten Taxi erreichen und vor allen Dingen wieder verlassen konnte.
Die ersten 20 km brachte mich ein Bus in die unmittelbare Nähe. Ein per Daumen angehaltenes, rosarotes Cabrio mit erschreckend defekter Lenkung brachte mich schließlich zum unmittelbaren Eingang des Nationalparks.
Niemals zuvor hatte ich mehr Angst um mein Leben.
Ein paar Kilometer musste ich noch Laufen zu den Thermalbecken in Pilimbalá, den Termales de San Juan.
Ähnliches passierte dann ebenfalls [http://guabitas.blogspot.de/2009/06/im-purace-nationalpark-purace-kolumbien.html].

Der Rückweg nach Popayán am nächsten Tag gestaltete sich als eine nervenaufreibende Situation. Kein Bus, kein Taxi, kein Cabrio, kein Pferd. Am frühen Nachmittag passierte dann ein alter LKW die Schotterpiste. In der Planen-geschlossenen Ladefläche eines Kuhfell-Transporters nahm ich Platz und freute mich über eine doch noch gelungene und angenehme Rückkehr am späten Abend.

Die letzten Tage in Kolumbien verbrachte ich in Ipiales, kurz vor der ecuadorianischen Grenze. Es fuhren auffällig viele amerikanische Limousinen aus den 50er/60er Jahren als Taxi durch die Stadt. Hier verliebte ich mich in die Kühlerfigur eines alten Chevrolet 210 von 1955. Somit fragte ich den Taxifahrer, ob er mir seine wunderschöne Kühlerfigur wohl verkauft. Nach kurzem Feilschen einigten wir uns auf 30U$, wobei mir natürlich sein fassungsloses Blinzeln in seinen Augen auffiel. Daraufhin ließ er seine neu hinzugestiegenen Fahrgäste im wahrsten Sinne des Wortes sitzen und machte sich auf die Suche nach geeignetem Werkzeug bei seinen Kollegen. Die Fahrgäste verschwanden daraufhin fluchender Weise. Das dann später kühlerfigurlose Taxi stand an den 2 folgenden Tagen an eben gleicher Stelle.

Nur sieben Kilometer östlich von Ipiales liegt der Wallfahrtsort Las Lajas. Noch bevor man das Dorf erreicht, öffnet sich an einem Aussichtspunkt ein spektakulärer Blick in eine tiefe Schlucht des Rio Guáitara. Die im neugotischen Stil erbaute Kirche “Nuestra Señora del Rosario de Las Lajas“ steht hier auf einer 45m hohen, schluchtüberspannenden Steinbogenbrücke.
Einem taubstummen Indianermädchen soll an dieser Stelle die heilige Maria erschienen sein. Das Kind konnte von diesem Zeitpunkt an wieder hören und sprechen. Auch heute noch ist die heilige Maria wundertätig. Dies sollen jedenfalls die zahlreichen, hinterlassenen Seh- und Gehhilfen, doch vor allen Dingen tausende von Votivtafeln belegen, die an die umgebenden Hänge befestigt wurden.