{"id":185,"date":"2014-08-15T17:57:54","date_gmt":"2014-08-15T17:57:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.berlinwerk.com\/pura-vida\/?p=185"},"modified":"2014-09-12T22:59:53","modified_gmt":"2014-09-12T22:59:53","slug":"dia-da-madre","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.berlinwerk.de\/pura-vida\/dia-da-madre\/","title":{"rendered":"D\u00eda da madre"},"content":{"rendered":"<p>Meine Familie, das kann ich immer nur wiederholen, ist sehr nett. Was mir aber auff\u00e4llt ist, dass meine Familie offensichtlich nichts von Recycling und umweltbewussten Verhalten versteht. Wenn ich mit meiner Gastmutter einkaufen gehe, braucht sie immer 2 Platikt\u00fcten, auch wenn es nicht viel ist was wir eingekauft haben und es locker in eine gepasst h\u00e4tte, um die Eink\u00e4ufe zu verstauen. Zu Hause wirft sie sie aber direkt weg, anstatt sie nochmals zu benutzen. Als ich meiner Gastmutter gestern half das Mittagessen vorzubereiten,\u00a0 wusch ich den Salat und sie sagte mir, dass ich alle Bl\u00e4tter die nur ein bisschen braun waren und ein paar Flecken hatten auszusortieren. Ich fragte mich warum und als ich fertig war warf sie die aussortierten Salatbl\u00e4tter einfach weg, obwohl man die noch h\u00e4tte essen k\u00f6nnen. Aber warum? Eines Tages, wenn ich besser Spanisch sprechen kann, werde ich sie fragen.<\/p>\n<p>Gestern war der Geburtstag von einer meiner Gastschwestern. Ich hatte nur Zeit ihr kurz zu gratulieren, dann musste sie schon in die Schule. Ich sah keine Geschenke und keinen Kuchen. Nichts. Auch als sie nach Hause kam, nichts. Am Abend aber, haben wir (der Rest der Familie) einen Kuchen f\u00fcr sie gekauft, aber da ich einen Migr\u00e4neanfall hatte, war ich nicht dabei, als sie gesungen haben und ihn gegessen haben. Ich frage mich ob sie dann dort geschenke bekommen habe, aber bisher habe ich noch nichts gesehen. Bekommt man hier nichts zum Geburtstag oder bin ich einfach nur blind?<br \/>\nHeute ist Muttertag (d\u00eda da madre) und der Geburtstag von meiner kleinen Schwester in Berlin. Meine Gastschwestern und ich haben unserer Mutter gestern schon Blumen geschenkt, da die L\u00e4den heute nicht auf haben, weil Muttertag hier als Feiertag gilt. IIch habe gestern Abend mit meiner Schwester und meinem Vater geskypt und wir haben gewartet, bis es in Deutschland 00:00 geworden ist, damit ich ihr schon gratulieren konnte. In dem Moment war ich unglaublich traurig, dass ich nicht bei ihr sein und sie nicht in den Arm nehmen konnte. Ich war den ganzen Abend \u00fcber noch ein bisschen traurig, doch als ich Migr\u00e4ne bekam ging ich fr\u00fch ins Bett und dachte nicht mehr daran.<br \/>\nMorgens ist das Gef\u00fchl, dass ich nach Hause zu meiner Familie will am st\u00e4rksten. Ich liege im Bett und bin mit meinen Gedanken ganz alleine. Ich stelle mir meinen kleinen Bruder vor und das ich eine sehr wichtige Entwicklungsphase verpasse. Ich denke an die Schule, die hier so einfach ist und das ich nach dem Jahr in der Schule zur\u00fcckh\u00e4ngen werde. Ich denke an das Essen, dass hier so anders ist. Es gibt zum Fr\u00fchst\u00fcck Kaffee mit sehr viel Zucker und ein ungetoastetes Wei\u00dfstoast mit Butter. Zum Mittagessen kocht meine Gastmutter immer frisch, aber es gab bisher nur Fleisch. Nudeln mit Fleisch, Kartoffeln mit Fleisch, Reis mit Fleisch und heute gibt es Suppe mit Fleisch. Danach gibt es manchmal Fr\u00fcchte. Hier isst man kein richtiges Abendbrot, sondern es gibt so um 17:00-18:00 wieder Kaffee und ein Wei\u00dftoast. Auch wenn ich satt werde, obwohl ich sonst immer viel mehr esse, vermisse ich ein richtiges Vollkornbrot mit richtigem Aufschnitt. Ich denke an vieles morgens und f\u00fchle mich sehr alleine und wiederstandslos. Ich stelle mir auch h\u00e4ufig die Frage, was dieses Jahr wirklich bringt. Am Anfang hat man es schwer und vermisst sein Zuhause, in der Mitte hat man mal eine sehr fantastische Zeit, da man sich eingelebt hat, Freunde gefunden hat und viele neue Sachen erlebt und am Ende ist man sehr traurig, dass man das alles zur\u00fccklassen muss und nicht wei\u00df ob man seine Familie hier jemals wiedersehen wird. Au\u00dferdem h\u00e4ngt man danach im Schulstoff\u00a0 zur\u00fcck und muss sowieso die 11. Klasse wiederholen. Wenn ich dann aber die Wahl gestellt bekommen w\u00fcrde mach Hause zu fahren oder hier zu bleiben w\u00fcrde ich trotzdem hier bleiben wollen und ich sage mir auch immer wieder, dass ich das schaffen werde und dass ich stark bleiben muss. Ich wei\u00df, dass das Auslandsjahr mir viel mehr bringen wird, als das was ich glaube zu verpassen. Nat\u00fcrlich wei\u00df ich noch nicht was es mir genau bringen wird, aber ich bekomme immer wieder gesagt, dass man seine Familie und das Leben in Deutschland mehr sch\u00e4tzen lernt und sich seine Denkweise in vielen Hinsichten ver\u00e4ndert. Und obwohl ich erst eine Woche hier bin, habe ich schon vieles gelernt. Die Leute achten hier nicht so aufs Aussehen wie ich es in Berlin gewohnt bin. Hier ist es nur wichtig, dass man sich pflegt und jeden Tag duscht. Au\u00dferdem akzeptiert man hier jeden so wie er ist und ich bin froh, dass ich diesen Schritt gewagt habe und zwinge mich dazu durch zu halten.<br \/>\nSo ging es mir bisher jeden Morgen. Es liegt daran, dass ich morgens ganz f\u00fcr mich bin, denn wenn ich aufstehe, habe ich etwas zu tun und lebe im Jetzt und denke nur an die n\u00e4chsten Stunden und Tage.<\/p>\n<p>Langsam habe ich das Gef\u00fchl, dass ich die H\u00e4lfte des Dorfes kenne. Jeden Tag kommt mindestens ein Person bei meiner Familie vorbei, die ich noch nicht kenne und auch auf der Stra\u00dfe werde ich jedem vorgestellt, den die Familie kennt. Verwandte, Freunde, Bekannte, Nachbarn und sogar ein Taxifahrer, der anscheinend mit meiner Familie befreundet ist. &#8222;Das ist Lana. Sie wohnt ein Jahr bei mir. Sie macht ein Auslandsjahr mit einer Organisation. Sie ist Deutsche. Sie wird hier auch zur Schule gehen.&#8220; So lautet der Text, den meine Gastmutter meisten verwendet um mich bekannt zu machen. Und ich nicke dabei immer hofflich, l\u00e4chle und sage Hallo.<\/p>\n<p>Am Wochenende fahren wir nach San Carlos. Die Stadt liegt im Nordosten an der Grenze zu Nicaragua und wir fahren dorthin um in warmen Erdwasser, dass von einem naheliegenden Vulkan kommt, zu baden. In Brasilien gab es sowas und ich freue mich sehr darauf meine Erinnerungen aufzufrischen. In Brasilien sind wir immer Abends zu den &#8222;Aguas quentes&#8220; (hei\u00dfen Quellen) gefahren. Es war dunkel und man musste noch durch ein St\u00fcck Wald gehen um zu ihnen zu gelangen. Anschlie\u00dfend musste man sich schnell umziehen oder ausziehen, je nachdem ob man schon Schwimmsachen an hatte oder nicht, und ins warme Wasser springen, damit man nicht von den M\u00fccken zerstochen wurde. Es war das sch\u00f6nste Gef\u00fchl, dass ich jemals gesp\u00fcrt habe. Du liegst im warmen Quellwasser, hast die Augen zu und h\u00f6rst nur das zirpen der Grillen, das quaken der Fr\u00f6sche und Kr\u00f6ten und den Wind in den B\u00e4umen. Wenn du dann die Augen auf machst siehst du den sch\u00f6nsten und deutlichsten Sternenhimmel, den du je gesehen hast.<br \/>\nWir werden aber am Tag hinfahren, aber ich glaube es wird auch au\u00dfergew\u00f6hnlich sch\u00f6n werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meine Familie, das kann ich immer nur wiederholen, ist sehr nett. 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