River-Rafting

Unbeschreiblich. Wenn ich das River-Rafting nur so beschreiben kann, wie soll das dann mit den nächsten Ausflügen werden?

IMG_2242Um 6 Uhr früh trafen sich alle Austauschschüler aus Paraíso auf dem zentralen Platz. Ich war die einzige die ihre Geschwister mitgenommen hatte. Kurz danach trafen auch schon die Busse mit den anderen aus Cartago und Umgebung ein. Ich war noch sehr müde auf der Fahrt, aber die Aussicht war viel zu schön um die Augen zu zu machen. Überall Berge, eine vollkommen klare und sehr sehr weite Sicht und schneeweiße Wolken. Ich sah zum ersten mal, leider nur von Weitem, einen rauchenden Vulkan. Nach 1 Stunde hielten wir an um zu Frühstücken. Ein typisches Frühstück. D.h. „Gallo Pinto“ (Reis mit Bohnen), ein Stück Brot mit Butter und Ei. Nach einer weiteren Stunde Fahrt kamen wir endlich an. Wir fuhren sehr steil einen steinigen Weg hinab und es fing an immer grüner zu werden. Als wir unten am Fluss ankamen war es, als wäre man in einer Schlucht. Wir waren von meterhohen Bäumen, Büschen und etlichen anderen Pflanzen umgeben. Wir ließen unsere Sachen im Bus und zogen uns eine Rettungsweste und einen Helm an.

Dann teilten wir uns in 4 10616059_10152668192692114_4609540202304768155_nGruppen a 6-7 Personen und stiegen schon mal ins Boot. Dann bekamen wir von unseren Führern den Ablauf und die Regeln mitgeteilt. Unser Führer war Amerikaner. Wir hatten ihn auf der Fahrt schon kennengelernt. Er ist hier nach Costa Rica gezogen, um von seiner Ex wegzukommen und hat hier eine neue Familie gegründet. Das war vor 21 Jahren und er ist bisher nicht einmal wieder in Amerika gewesen. Sein ganzes Gesicht und seine Arme waren tätowiert, was ihn mir noch sympathischer machte. Er erklärte uns, was wir tun sollen, wenn er bestimmte Wörter sagt. Es gab vorwärts, rückwärts, links rückwärts, rechts rückwärts, Paddel hoch und Boden. Bei Boden sollten wir uns vom Rand auf dem wir saßen ins Boot setzen und uns gut festhalten. Dies war immer der Fall wenn wir in ein sogenanntes Tal fuhren. Das heißt, dass immer wenn etwas größere Steine auf dem Grund lagen und das Wasser daran abprallte und sozusagen zurückgeworfen wurde, dass sich dort dieses sogenannte Tal bildet. Unser Führer erklärte uns, dass man mit voller Geschwindigkeit in so ein Tal reinfahren muss, damit das Boot nicht nach unten gezogen wird und kentert. Ich war aufgeregt als es los ging, aber nach einiger Zeit hatte man sich an die Abläufe an den Stellen an denen es viele Steine gab, also wo der Fluss viele von diesen Tälern bildet, gewöhnt und ich konnte die ganze Fahrt, die 3 Stunden dauerte, nicht aufhören zu grinsen. Schon als das Boot am Anfang ins Wasser gelassen wurde, strömte so viel Wasser rein, dass meine Schuhe direkt nass waren. Nach der ersten heiklen Stelle war ich dann von Kopf bis Fuß komplett nass, aber da es heute sehr sonnig und heiß war, war es eine tolle Abkühlung. Ich saß neben unserem Führer und wir unterhielten uns manchmal, wenn der Fluss ruhiger war und wir uns treiben lassen konnten. Es gab eine Situation, an der ich fast ins Wasser gefallen wäre, da unser Boot so ruckartig von diesen Bergen und Tälern erfasst wurde aber da unser Leiter uns am Anfang gezeigt hatte, wie man ein Bein einklemmte, damit man sich, wenn der Oberkörper fast im Wasser hängt, wieder hochziehen kann, entkam ich dieser Situation.
uuhWir waren übrigens auch das einzige Boot, das nur eine Personen hatte, die über Bord gegangen ist. Von den anderen Gruppen sind nämlich viele bei heftigen auf- und ab Gängen ins Wasser gefallen. An einer Stelle wo der Fluss sehr ruhig war, durften wir ins Wasser springen und rumschwimmen. Es war unglaublich. Du lagst im Wasser, schautest nach oben und sahst nur den klaren blauen Himmel und das starke grün des Urwalds. Es überkam mich ein Gefühl der Freiheit und ich fühlte mich mehr als wohl. Leider konnten wir nur kurz baden, da der Fluss dann wieder eine gefährliche Stelle erreichte. Die nächsten Stunden oder Minuten vergingen dann wie im Flug. Wir kamen an kleinen und großen Wasserfällen vorbei und an der schönsten Natur vorbei, die ich nur aus Brasilien kenne. Als wir dann das erste nicht natürliche sahen, eine Zugbrücke und dahinter eine Autobahnbrücke, dauerte es nicht mehr lange, dass wir anlegten. Alle waren erschöpft und gingen duschen und sich trockene Klamotten anziehen. Danach gab es frische Wassermelone und Ananas für alle und man konnte sich „Empanadas“ (sowas ähnliches wie Teigtaschen) selber mit Salat, Wurst und Käse füllen. Wir stürzten uns alle förmlich auf das Essen und waren danach sehr zufrieden. Von der Rückfahrt bekam ich nicht viel mit, da ich die meiste Zeit schlief. Ich bin jetzt noch so überwältigt von dem, was ich alles gesehen habe und wie ich am Anfang erwähnt habe, kann man das eigentlich nicht beschreiben.
Ich habe so viel Unterschiedliches auf der Fahrt gefühlt. Freude über die unglaublich schöne Natur, Freiheit, da wir auf einem Fluss mitten im Urwald lang fuhren und das Gefühl, dass ich so etwas immer haben will. Ich habe an meine Zukunft gedacht und ich war und bin mir sicher, dass es auf der Welt zu viele unglaubliche Orte zu sehen gibt, um auch nur eine Sekunde des Lebens zu verschwenden und dass ich auf jeden Fall nicht in Deutschland leben will, sondern mein Leben wirklich leben will und es nicht mit Arbeit vollpacken will, um mir dann irgendwann mal einen Urlaub leisten zu können. Menschen leben in so einem vielseitigen und wunderschönen Land und brauchen nicht viel Geld um solche schönen Plätze zu sehen. Sie wissen wo sie hinfahren müssen um bestimmte Sachen zu sehen und zu erleben und planen sowas als Tagesausflug. Damit meine ich nicht, dass sich jeder River-Rafting leisten kann, sondern, dass die Leute hier wissen wo es schöne Plätze gibt und einfach mit dem Auto hinfahren. Es ist doch so, dass nur die einheimischen wirklich wissen wo man und wie man an die wirklich schönen Stellen hinkommt.
Ich bin jedenfalls einen Schritt näher an das rangekommen, was ich mir für meine Zukunft wünsche und um jeden Preis umsetzen will.

Ein Gedanke zu „River-Rafting“

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