Día da madre

Meine Familie, das kann ich immer nur wiederholen, ist sehr nett. Was mir aber auffällt ist, dass meine Familie offensichtlich nichts von Recycling und umweltbewussten Verhalten versteht. Wenn ich mit meiner Gastmutter einkaufen gehe, braucht sie immer 2 Platiktüten, auch wenn es nicht viel ist was wir eingekauft haben und es locker in eine gepasst hätte, um die Einkäufe zu verstauen. Zu Hause wirft sie sie aber direkt weg, anstatt sie nochmals zu benutzen. Als ich meiner Gastmutter gestern half das Mittagessen vorzubereiten,  wusch ich den Salat und sie sagte mir, dass ich alle Blätter die nur ein bisschen braun waren und ein paar Flecken hatten auszusortieren. Ich fragte mich warum und als ich fertig war warf sie die aussortierten Salatblätter einfach weg, obwohl man die noch hätte essen können. Aber warum? Eines Tages, wenn ich besser Spanisch sprechen kann, werde ich sie fragen.

Gestern war der Geburtstag von einer meiner Gastschwestern. Ich hatte nur Zeit ihr kurz zu gratulieren, dann musste sie schon in die Schule. Ich sah keine Geschenke und keinen Kuchen. Nichts. Auch als sie nach Hause kam, nichts. Am Abend aber, haben wir (der Rest der Familie) einen Kuchen für sie gekauft, aber da ich einen Migräneanfall hatte, war ich nicht dabei, als sie gesungen haben und ihn gegessen haben. Ich frage mich ob sie dann dort geschenke bekommen habe, aber bisher habe ich noch nichts gesehen. Bekommt man hier nichts zum Geburtstag oder bin ich einfach nur blind?
Heute ist Muttertag (día da madre) und der Geburtstag von meiner kleinen Schwester in Berlin. Meine Gastschwestern und ich haben unserer Mutter gestern schon Blumen geschenkt, da die Läden heute nicht auf haben, weil Muttertag hier als Feiertag gilt. IIch habe gestern Abend mit meiner Schwester und meinem Vater geskypt und wir haben gewartet, bis es in Deutschland 00:00 geworden ist, damit ich ihr schon gratulieren konnte. In dem Moment war ich unglaublich traurig, dass ich nicht bei ihr sein und sie nicht in den Arm nehmen konnte. Ich war den ganzen Abend über noch ein bisschen traurig, doch als ich Migräne bekam ging ich früh ins Bett und dachte nicht mehr daran.
Morgens ist das Gefühl, dass ich nach Hause zu meiner Familie will am stärksten. Ich liege im Bett und bin mit meinen Gedanken ganz alleine. Ich stelle mir meinen kleinen Bruder vor und das ich eine sehr wichtige Entwicklungsphase verpasse. Ich denke an die Schule, die hier so einfach ist und das ich nach dem Jahr in der Schule zurückhängen werde. Ich denke an das Essen, dass hier so anders ist. Es gibt zum Frühstück Kaffee mit sehr viel Zucker und ein ungetoastetes Weißstoast mit Butter. Zum Mittagessen kocht meine Gastmutter immer frisch, aber es gab bisher nur Fleisch. Nudeln mit Fleisch, Kartoffeln mit Fleisch, Reis mit Fleisch und heute gibt es Suppe mit Fleisch. Danach gibt es manchmal Früchte. Hier isst man kein richtiges Abendbrot, sondern es gibt so um 17:00-18:00 wieder Kaffee und ein Weißtoast. Auch wenn ich satt werde, obwohl ich sonst immer viel mehr esse, vermisse ich ein richtiges Vollkornbrot mit richtigem Aufschnitt. Ich denke an vieles morgens und fühle mich sehr alleine und wiederstandslos. Ich stelle mir auch häufig die Frage, was dieses Jahr wirklich bringt. Am Anfang hat man es schwer und vermisst sein Zuhause, in der Mitte hat man mal eine sehr fantastische Zeit, da man sich eingelebt hat, Freunde gefunden hat und viele neue Sachen erlebt und am Ende ist man sehr traurig, dass man das alles zurücklassen muss und nicht weiß ob man seine Familie hier jemals wiedersehen wird. Außerdem hängt man danach im Schulstoff  zurück und muss sowieso die 11. Klasse wiederholen. Wenn ich dann aber die Wahl gestellt bekommen würde mach Hause zu fahren oder hier zu bleiben würde ich trotzdem hier bleiben wollen und ich sage mir auch immer wieder, dass ich das schaffen werde und dass ich stark bleiben muss. Ich weiß, dass das Auslandsjahr mir viel mehr bringen wird, als das was ich glaube zu verpassen. Natürlich weiß ich noch nicht was es mir genau bringen wird, aber ich bekomme immer wieder gesagt, dass man seine Familie und das Leben in Deutschland mehr schätzen lernt und sich seine Denkweise in vielen Hinsichten verändert. Und obwohl ich erst eine Woche hier bin, habe ich schon vieles gelernt. Die Leute achten hier nicht so aufs Aussehen wie ich es in Berlin gewohnt bin. Hier ist es nur wichtig, dass man sich pflegt und jeden Tag duscht. Außerdem akzeptiert man hier jeden so wie er ist und ich bin froh, dass ich diesen Schritt gewagt habe und zwinge mich dazu durch zu halten.
So ging es mir bisher jeden Morgen. Es liegt daran, dass ich morgens ganz für mich bin, denn wenn ich aufstehe, habe ich etwas zu tun und lebe im Jetzt und denke nur an die nächsten Stunden und Tage.

Langsam habe ich das Gefühl, dass ich die Hälfte des Dorfes kenne. Jeden Tag kommt mindestens ein Person bei meiner Familie vorbei, die ich noch nicht kenne und auch auf der Straße werde ich jedem vorgestellt, den die Familie kennt. Verwandte, Freunde, Bekannte, Nachbarn und sogar ein Taxifahrer, der anscheinend mit meiner Familie befreundet ist. „Das ist Lana. Sie wohnt ein Jahr bei mir. Sie macht ein Auslandsjahr mit einer Organisation. Sie ist Deutsche. Sie wird hier auch zur Schule gehen.“ So lautet der Text, den meine Gastmutter meisten verwendet um mich bekannt zu machen. Und ich nicke dabei immer hofflich, lächle und sage Hallo.

Am Wochenende fahren wir nach San Carlos. Die Stadt liegt im Nordosten an der Grenze zu Nicaragua und wir fahren dorthin um in warmen Erdwasser, dass von einem naheliegenden Vulkan kommt, zu baden. In Brasilien gab es sowas und ich freue mich sehr darauf meine Erinnerungen aufzufrischen. In Brasilien sind wir immer Abends zu den „Aguas quentes“ (heißen Quellen) gefahren. Es war dunkel und man musste noch durch ein Stück Wald gehen um zu ihnen zu gelangen. Anschließend musste man sich schnell umziehen oder ausziehen, je nachdem ob man schon Schwimmsachen an hatte oder nicht, und ins warme Wasser springen, damit man nicht von den Mücken zerstochen wurde. Es war das schönste Gefühl, dass ich jemals gespürt habe. Du liegst im warmen Quellwasser, hast die Augen zu und hörst nur das zirpen der Grillen, das quaken der Frösche und Kröten und den Wind in den Bäumen. Wenn du dann die Augen auf machst siehst du den schönsten und deutlichsten Sternenhimmel, den du je gesehen hast.
Wir werden aber am Tag hinfahren, aber ich glaube es wird auch außergewöhnlich schön werden.

3 Gedanken zu „Día da madre“

  1. Liebe Lana,
    Ich finde deine Texte wunderschön! Viele von deinen Gedanken erinnern mich an den Beginn von meinem Auslandsjahr, und obwohl es zwischen Dänemark und Costa Rica sicher viele Unterschiede gibt sehr ich mich selbs in dir. Und mir wird schmerzlich bewusst wie sehr ich Dänemark vermisse. Ich habe mich in diesem Jahr sehr verändert… Manchmal frag ich mich sogar ob ich noch die selbe bin… Ich hoffe es wird dir genauso fantastisch gehen wie mir und ich freu mich auf deine tekste! Ich freu mich schon, wenn wir uns in einem Jahr Wiedersehen… (Du wirst überrascht sein, wie schnell ein Jahr vorbei gehen kann!) Liebe Grüße deine liv

    1. Danke Liv, ich habe garnicht bemerkt, dass du ein Jahr weg warst. Es kam mir sehr kurz vor. Ich freue mich, dass auch dir die Texte gefallen und freue mich auch, wenn wir uns wiedersehen. Danke, dass du mir auch Mut machst und mir zeigst, dass ich keine Angst haben muss. Ich werde dir noch mehr schreiben, aber nicht hier, damit wir uns noch mehr über dein AUslandsjahr und über mich hier austauschen können.
      Liebe Grüße auch an dich

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