Unabhängigkeitstag (Tag 2)

unabhaengigkeitstagGestern waren meine Gastmutter, mein kleiner Gastbruder und ich am Start der Parade für den Unabhängigkeitstag. Mein kleiner Gastbruder sollte nämlich als Teufel mitlaufen. Er war in rot und schwarz gekleidet und hatte eine selbstgebastelte Teufelsmaske an. Es waren etliche Frauen mit ihren kleinen Söhnen und Töchtern da, die sich alle extra mit den Farben der costarikanischen Flagge angezogen hatten. Wo man auch hinguckte sah man nur blaue oder rote Hosen oder Röcke (manchmal natürlich auch Kleider) mit blauen, roten oder weißen T-shirts. Dazu die passenden Schuhe mit der Farbe die noch fehlte. Nach 1 Stunde rumstehen und den Paradeabschnitten beim Vorbereiten zuzusehen ging es endlich los. Meine Gastmutter und ich gingen neben dem Paradenabschnitt her in dem mein Gastbruder ging. Sie wollte ihn die ganze Zeit dazu animieren zu tanzen, aber er wollte nicht. Manchmal gingen wir ein bisschen vor oder blieben ein wenig zurück um auch die anderen Kinder und Jugendlichen zu sehen. Wie an meinem ersten Abend in Paraíso waren dort sehr viele talentierte Kinder, die auf Trommeln und tragbaren Xylophonen spielten oder junge Mädchen die mit den typischen, langen, eleganten Kleidern zu der Musik tanzten. Als wir der Stadtmitte bzw. dem zentralen Platz näher kamen wurden es immer mehr Leute die sich am Rande des Geschehens, also am Straßenrand zusammendrückten. Alle waren gut gelaunt und feierten den Unabhängigkeitstag fröhlich und gelassen.

Unabhängigkeitstag

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Heute und morgen feiert man in Costa Rica den Unabhängigkeitstag. Hier in Paraíso wurde im Park eine Bühne (2. Bild) aufgebaut und ein Podium mit der costarikanischen Flagge und einer Fackel (1. Bild). In der Schule haben wir vor ein paar Tagen den Auftrag bekommen, eine Laterne für Sonntag – also heute – zu basteln, die dann benotet wird. Da ich nicht wirklich Zeit und Lust hatte eine Laterne zu basteln, durfte ich die von meinem kleinen Gastbruder mitnehmen (letztes Bild), die wie alle anderen die ich gesehen habe, mit den Farben von Costa Rica gestaltet war. Die Laternen die ich gesehen habe, waren alle irgendwie gleichzeitig gleich aber auch total verschieden. Alle waren mit den Farben der costarikanischen Flagge gebaut aber jeder hatte sich etwas anderes einfallen lassen, um seine eigene Laterne zu gestalten. Es gab ganz kleine Laternen, nur aus einer Cremeschachtel gebastelt und riesig große gebaute Häuser. Es gab sogar eine Laterne, die aussah wie ein Herd oder ein Tisch mit Tassen und Tellern drauf. Alle haben sich jedenfalls sehr viel Mühe mit ihren Laternen gegeben.Die weiße Taube steht eben für den Frieden und die Unabhängigkeit. Als ich damit heute in die Schule ging, fing es auf dem Weg an zu regnen und da die Laterne nicht meine war, passte ich sehr auf, dass sie nicht nass wurde. Ich traf mich mit meinen Klassenkameradinnen vor der Schule und wir zeigten unsere Laternen (–> heißt in spanisch übrigens „Farol“ -> „Faroles“) unserer Kunstlehrerin. Danach sollten alle zum zentralen (bzw. einzigen) Platz gehen, damit wir dort unsere Laternen anmachen konnten. Da es wie gesagt nicht meine Laterne war die ich dabei hatte, wollte ich kurz nach Hause, um sie dort abzustellen, damit sie in dem Regen nicht kaputtgehen konnte. Ich wollte mich mit meinen Klassenkameradinnen auf dem Platz treffen aber als ich ankam, war nicht viel los. Von der Bühne kam laute Musik und es standen ein paar Leute davor. Ich traf eine Frau aus dem AFS-Komitee und wir unterhielten uns kurz. Sie erzählte mir, dass dieses Fest eigentlich viel schöner ist.

Wenn es nicht geregnet hätte, wären sehr viele Kinder, kleinen und großen Alters, mit ihren leuchtenden Laternen dort gewesen und alle hätten die Nationalhymne gesungen und zusammen die Unabhängigkeit Costa Ricas gefeiert. Morgen gibt es anscheinend auch eine Parade und vielleicht regnet es ja mal zur Abwechslung nicht und es kommen viele Menschen.
Als ich dann meine Freundinnen anrief, sagten sie mir, dass sie wegen dem strömenden Regen schon gegangen wären. Ich machte noch ein paar Fotos und ging dann auch nach Hause.

Schule…

Ich gehe schon seit knapp 4 Wochen zur Schule und ich muss sagen, dass ich mich von Anfang an daran gewöhnt habe um 7 in der Schule sein zu müssen. Ich gehe meistens so um 22:00 bis aller spätesten 00:30 schlafen und habe trotzdem kaum probleme mit dem Aufstehen. In den letzten Wochen und auch in den kommenden waren die Morgende sehr kalt und es kostete ein bisschen meine Überwindung aus dem warmen Bett aufzustehen. Ich brauche nur 10-15 min. in die Schule. Der Weg ist sehr hügelig, aber auf jedem dieser Hügel kann man die schöne Aussicht genießen. Man sieht in allen Richtungen nur weite Berge und Felder. Am Montag habe ich nur bis 10:40 Schule was sehr entspannt ist für den ersten Tag. Aber am Dienstag geht es wirklich los. Bis 16:40 Unterricht. Dazwischen habe ich Zeit nach Hause zu gehen und dort zu essen. Am Mittwoch und Donnerstag esse ich in der Schule, da ich an diesem Tagen nur 40 min. Zeit habe und etwas zu essen. Bisher gab es in der Schule und eigentlich auch zu Hause, immer Reis mit jeden Tag verschiedenen Bohnen und verschiedenem Fleisch. Aber ich habe mich dran gewöhnt und esse es einfach um den Hunger los zu werden.  Am Donnestag habe ich „Diseño“. Das ist sowas wie Kunst nur das wir es 6 Schulstunden lang haben und es macht mir sehr viel Spaß, da man einfach dort sitzt, Musik hört und an seinem Projekt, Bild, Zeichnung arbeitet. Der Lehrer ist sehr talentiert und ich finde man versteht schnell was er sagt und kann es an seinem eigenen Projekt leicht umsetzen. Im normalen Kunstunterricht dagegen habe wir bis jetzt noch nichts gemacht. Außerdem hat mich meine Kunstlehrerin am ersten Tag blöd angemacht, weil ich lange Ohrringe getragen habe obwohl sie selber welche getragen hat. Mein Spanischlehrer ist blind, aber unglaublich süß. Ich kam eines Tages in den Klassenraum und hörte deutsche Musik. Als ich ihn danach fragte, sagte er, er mag deutsche Musik, besonders die Toten Hosen und wir quatschten ein bisschen über den Inhalt des Liedes, dass gerade lief und andere deutsche Bands. Mein Geschichtslehrer ist sehr lustig. In jeder Stunde bringt er die ganze Klasse zum lachen. Er ist zudem großer Deutschland-Fan und hat extra für mich ein Deutschland-Trikot getragen. Alle anderen Lehrer sind auch sehr nett und liebeswürdig.
In dieser Woche stehen viele Arbeiten an und ich werde sie alle mitschreiben, einfach um mein Spanisch zu üben. Am Montag haben wir Geschichte geschrieben. Es waren nur Ankreuz-aufgaben, aber das Thema war wirklich schwer und ich habe die meisten Fragen nicht verstanden. Ich habe von ca. 45 Aufgaben vielleicht 8 gelöst und weiß nichmal 100 %-ig ob sie richtig sind. Heute haben wir Mathe geschrieben und obwohl ich manche Wörter nicht verstanden habe, habe ich alle Aufgaben gelöst. Es waren wieder nur Multiplechoiseaufgaben. Da ich die Themen in Mathe verstanden hatte, viel es mir nicht schwer die meisten Aufgaben zu lösen.
Hier ist das Notensystem auch ganz anders und ich habe es immer noch nicht verstanden. Das höchste was man in einer Arbeit erreichen kann sind 100 Punkte. Am 80 Punkten ist deine Note also ziemlich gut, mit 60 ärgert man sich schon. Im Abi geht es glaube ich sogar rauf bis 1000 Punkte, da meine Gastschwester mit erzählt hat, dass wenn man hier Medizin studieren will mindestens 800 Punkte haben muss und wenn man Jura studieren will noch mehr.

tanzenDie letzten Tage hatten wir am Nachmittag oft statt Schule eine Verantstaltung in der Turnhalle. Fast die ganze Schule saß auf der Zuschauertribühne und es gab verschiedene Schüler und Schülergruppen die getanzt oder gesungen haben. Auf dem Bild tanzt gerade eine Klassenkameradin von mir einen typisch costarikanischen Tanz. Es sieht sehr schön aus, wenn mehrere Mädchen gleichzeit mit diesen Kleidern tanzen und die Jungen dazu mit den Tüchern in ihren Händen auch tanzen und mit ihren Schuhen ab und zu laut auf den Boden auftreten. Es wurden auch noch andere typische Tänze vorgeführt wie z.B. von nur einem paar, dass perfekt zusammen tanzte. Ich hoffe, dass ich in meiner Zeit hier auch noch ein paar Tanzschritte lernen werde, denn es sieht so wunderschön aus, wenn Mädchen und Jungen hier tanzen, vor allem, wenn sie wirklich Spaß dabei haben und die Schritte einfach im Blut haben.

1 Monat

Ab heute bin ich genau einen Monat in Costa Rica und genau 4 Wochen bei meiner Gastfamilie. In diesen Wochen habe ich die unterschiedlichsten Emotionen durchlebt. Von Traurigkeit und Verlassenheit zu Fröhlichkeit und Leichtigkeit. Für diese Wochen habe ich schon unglaublich viel gelernt und erlebt, auch wenn ich hier nur den normalen Alltag bestreiten muss. Es ist dennoch etwas völlig anderes. Ich lerne langsam die Denkweise der Leute hier kennen und es erfüllt mich mit Traurigkeit, dass nicht alle Menschen die ich kenne so denken, wie die Leute hier. Man muss es selber erleben, um sich vorstellen zu können, wie anders die Leute in anderen Ländern ticken. Es ist so erfrischend, mal andere Denkweisen und Arten kennen zu lernen und ständig um sich zu haben. Ich werde mir von Tag zu Tag sicherer, dass es der beste Schritt in meinem Leben war, auch wenn er sehr schwierig war, ein Auslandsjahr zu machen. Man muss ein gewisses Maß an Durchhaltevermögen haben, um die ersten Wochen, genauer gesagt Tage, zu überstehen. Es hat immer wieder Kraft gekostet gegen die negativen Gefühle an zu kämpfen und sie schließlich zu verdrängen und sie durch positive zu ersetzen. Aber wenn man das geschaft hat, fühlt man sich endlich frei und kann alles Neue genießen. Und ich glaube ich habe dies in der letzten Woche geschafft!

In dieser Woche ist nicht viel passiert. 5 normale Schultage und jetzt dieses Wochenende. Gestern war ich bei einer Austauschschülerin aus Japan zu Hause, da sie ein Essen verantstaltet hat. Jeder Austauschschüler muss ein Mal für die anderen kochen und sie war als erste dran. Wir waren ca. 20 Leute und saßen im Esszimmer in einem Kreis. Wir haben uns unterhalten und bekamen das Essen auf die Hand serviert. Da das Mädchen aus Japan ist aber auch Wurzeln in Rumänien hat, gab es typisch rumänisches Essen. Allen hat es sehr geschmeckt und ich bin schon gespannt, was die anderen Teilnehmer kochen werden. Ich habe noch keine Ahnung, was ich typisch deutsches kochen soll, aber ich habe noch viel Zeit mir etwas aus zu denken.
Ich habe gestern auch erfahren, dass ein neues Mädchen aus Deutschland auf unsere Schule kommen wird, die anscheinend die Gastfamilie gewechselt hat. Ich müsste sie vom Arival-Camp kennen, aber ihr Name kam mir nicht bekannt vor. Trotzdem freue ich mich, dass sie kommt, da wir im Oktober eine Präsentation vor der ganzen Schule über unser Land halten müssen und so kann ich mit ihr zusammen die Präsentation machen. Dazu müssen wir irgendetwas kreatives, wie singen oder tanzen, machen. Das heißt, dass wir vor der gesamten Schule irgendetwas deutsches singen oder tanzen müssen und ich habe keine Ahnung was wir da machen könnten.

Ich lebe mich hier langsam ein und es ist schön aber auch erschreckend fest zu stellen, dass man fast in der ganzen Stadt „berühmt“ ist. Ich bekomme tausende Freundschaftanfragen auf Facebook von Leuten die ich gar nicht kenne, aber die anscheinend auf die selbe Schule gehen wie ich und letztens war ich zu Fuß auf dem Weg in die Stadt und mich Grüßte ein älterer Mann, den ich nicht kannte, aber als ich an ihm vorbei war, hörte ich noch wie er zu seiner Frau sagte, dass ich Lana hieße und Deutsche bin. Es ist ein bisschen gruselig zu wissen, dass dich fast jeder kennt aber du niemanden.
In so einer kleinen Stadt ist es auch leicht irgendwo Stammkunde zu werden. In manchen Läden bin ich öfters und die Verkäufer fangen langsam an, mich immer nett zu Grüßen und zu fragen wie es mir geht. Ich liebe sowas. Das gibt einem das Gefühl wirklich dazu zu gehören.

In 2 Wochen gibt es einen gemeinsamen Ausflug vom AFS-Komitee in Paraíso. Alle Austauschschüler und deren Familien die in Paraíso wohnen, wurden eingeladen an einem Tagesausflug mit Wild-Wasser-Rafting teilzunehmen. Ich werde das auf jeden Fall machen aber meine Familie kann leider nicht mitkommen, da es für sie zu teuer wäre. Trotzdem freue ich mich immer wieder mit den anderen Austauschschülern in Paraíso etwas zu unternehmen. Das gibt immer wieder die Möglichkeit, sich über seine Erfahrungen und Erlebnisse aus zu tauschen.

Angekommen

Der letzte Mittwoch und heute waren wohl die letzten entscheidenden Tage die noch gefehlt haben, dass ich mich wirklich so fühle als wäre ich endlich angekommen.
Am Mittwoch kam meine eigene private AFS-Ansprechpartnerin, die mir zugeteilt wurde, zu mir nach Hause und wir haben uns zusammen mit meiner Gastmutter und einem anderen AFS-Mitarbeiter der mitgekommen ist über die letzten Wochen unterhalten. Es ging über alles, was sich bisher in meinem Leben verändert hat. Schule, Umgebung, Freunde, Familie, Haushalt, Essen und vieles mehr. Und als wir da so saßen und ich zu jeder Frage eigentlich nur „ja, sehr gut“ oder „alles toll“ antworten konnte, viel mir auf, dass ich nichts zu beklagen hatte. Ich fand alles hier toll und konnte an keiner Sache etwas negatives finden. Ich bemerkte das erste Mal wie wohl ich mich hier wirklich fühle. Natürlich gibt es Sachen, die ich vermisse, mal abgesehen von meiner Familie und meinen Freunden. Z.B. ein Fenster. In meinem Zimmer und auch in den anderen Schlafzimmern, gibt es keine einziges Fenster, außer an der Decke, damit ein bisschen Luft hineinströmen kann. Ich vermisse es aus einem Fester in die Natur oder einfach nur nach Draußen sehen zu können. Ich vermisse Tee und gutes deutsches Vollkornbrot. Aber daran kann ich mich für ein Jahr dran gewöhnen. Und außer diesen paar Kleinigkeiten finde ich es wirklich toll hier.

Heute war ich das erste Mal beim TaeKwonDo-Training und es hat mir unglaublich viel Spaß gemacht. Ich habe den Sport vermisst und habe mich heute wirklich angestrengt. Ich habe endlich gemerkt, dass es der Sport für mich ist. Ich liebe es einfach. Alle dort waren sehr nett und wir haben uns kurz zusammen unterhalten. Woher ich bin, ob ich in Deutschland auch TaeKwonDo gemacht habe, welchen Gürtel ich habe, wo ich Spanisch sprechen gelernt habe, wo ich hier wohne, wie lange ich bleibe, auf welche Schule ich hier gehe etc. Sie waren alle sehr freundlich und haben sich gefreut, wenn ich mit ihnen geredet habe. Das Training dauert hier leider nur 1 Stunde, die aber komplett ausreichend war. Erst kurze Aufwärmung, dann kurze Rennübungen und dann nur noch Pratschentraining. Ich habe mich gefragt ob das jetzt jedes Training so geht, aber mein neuer Trainer meinte, dass sie auch viel Poomsaentraining machen. Darauf freue ich mich schon, auch um zu sehen wie gut die hier so sind.
Meine eine Gastschwester hatte mich zum Fitnessstudio gebracht und dort auf mich gewartet. Auf dem nach Hause weg ist mir aufgefallen, wie gut ich mich mit ihr unterhalten konnte. Noch nicht über tiefgreifende Themen, aber jede Frage und Antwort ging mir flüssig über die Lippen. WIr redeten den ganzen Weg nach Hause und es macht mir wirklich Spaß zu reden. Als wir dann zu Hause waren und ein paar Freunde oder Verwandte (ich bekomm das nicht auf die Reihe mit allen Freunden und Verwandten, die ich anscheinend bereits kennengelernt habe) zu Besuch waren und die eine sagte, wie gut ich schon alles verstehen würde, war ich komplett glücklich. Mir ist aufgefallen, dass es mir sehr gefällt auf Spanisch zu reden und dass mir alles schon viel leichter fällt. Außerdem fange ich an mir typische Wörter anzugewöhnen, die hier üblich sind. „Chau“(bzw. Tschau), benutz man hier immer für Tschüs, statt „adiós“; „Adiós“ benutzt man für Fremde oder Leute denen man häufiger auf der Straße begegnet um sie zu Grüßen; „Diay“ sagt man um Hallo zu sagen; “ Mae“ ist eher für Jugendliche und bedeutet sowas wie „Hey Kumpel“ oder „Hey Alter; „Plata“ bedeutet hier Geld; hier sagt man „vos“ statt „tú“ (du). Es gibt noch weitere übliche Redewendungen, aber die muss ich erst heraushören, verstehen und mir angewöhnen.

Als letztes möchte ich erwähnen, dass ich das erste Mal gedacht habe: „Ich will hier nie wieder weg!“

Freunde

Gestern habe ich mich nach der Schule mit noch anderen aus meiner Klasse bei einer Klassenkameradin getroffen. Wir waren insgesamt 4 Mädchen und 6 Jungs. Sie mussten einen Tanz einüben, den sie im Sportunterricht vorführen müssen. Da ich neu bin und sie mich in den Tanz integrieren wollten, musste ich schnell die Schritte lernen. Ich dachte ich bin total unfähig und steif wenns ums tanzen geht, aber anscheinend habe ich schnell gelernt und meine Tanzschritte waren alle richtig, da sie mich sehr gelobt haben, dass ich so gut und schnell lerne. Es hat sehr viel Spaß gemacht, da wir alle zusammen getanzt und dabei einander ausgelacht haben, da niemand die Schritte wirklich perfekt konnte. Danach sind ein paar aus meiner Klasse mit dem Fahrrad rumgefahren und waren auf ein Mal verschwunden. Eine Freundin und ich wollten sie gerade suchen gehen, als sie um eine Ecke kamen. Aber ein Mädchen fehlte und die anderen erzählten uns, dass sie mit dem Fahrrad hingefallen wäre, da das Fahrrad, dass sie fuhr, keine Bremsen hatte. Und da kam auch schon ihr Vater, der sie mit dem Auto ins Krankenhaus fahren wollte. Ich schaute ins Auto hinein und sah nur meine Kameradin, die sich mit einem Lappen den Kopf hielt. Ihr ganzes T-shirt war voller Blut und sie tat mir unglaublich Leid. Ich bin anschließend noch zu einer anderen Freundin gegangen, da wir noch irgendwas für die Schule machen musste. Wir waren zu viert und mussten einen Dialog für das Fach „Civica“ (Übersetzt heißt das sowas wie „Gesetze von Costa Rica“) schreiben. Danach haben wir Pancakes gemacht und einen Film geguckt. Nach dem Film war es schon dunkel und meine Gastmutter holte mich mit dem Taxi ab. Ich traue mich jetzt schon mehr von meinem Tag zu erzählen und versuche meiner Gastmutter immer, wenn ich nach Hause komme, etwas kleines über meinen Tag zu erzählen. Ich habe sogar ein Gespräch mit dem Taxifahrer angefangen und ihm erzählt, dass es hier sehr schön ist aber sehr unterschiedlich zu Deutschland. Hier freut es die Leute, wenn man sich unterhalten will, auch wenn man sich nicht kennt.
Heute war meine Freundin natürlich nicht in der Schule aber alle anderen Mädchen aus meiner Klasse und ich wollten sie nach der Schule zu Hause überraschen. Wir haben ihr Schokolade gekauft und ihr einen kleinen Brief geschrieben. Sie hat sich sehr gefreut als wir alle in ihr Zimmer plazten und ihre Mutter hat uns Keckse und Cola gebracht. Ihre ganze rechte Gesichtshälfte war geschwollen, besonders ihr Auge. Es war so geschwollen, dass man nur einen kleinen schlitz ihres Auges sehen konnte. Außerdem hatte sie überall, auch auf der Schulter, Schrammen und Kratzer. Sie sah sehr schlimm aus und sie konnte sich nicht mehr an den Unfall erinnern. Sie wird wahrscheinlich die nächsten Tage auch nicht in die Schule gehen, was wirklich gut ist.

Heute hatte ich das erste Mal Englischunterricht und es war sehr einfach. Die Lehrerin sprach sogar wirklich gutes Englisch, aber meine Klassenkameraden umso weniger. Sie haben eine Arbeit zurückbekommen und ich habe sie mir angeguckt. Es waren nur Ankreuzaufgaben. Sie sollten einen kurzen Text lesen und dann die richtigen Kreuze zu den Fragen beantworten. In meinem letzten Post habe ich geschrieben, dass manche Fächer anspruchsvoller sind, als in Berlin. Damit meinte ich nicht direkt anspruchsvoller, sondern dass sie in diesem Fach mehr behandeln. Z.B. in Geschichte. Sie bahandeln gerade den kalten Krieg, den Mauerbau in Deutschland und den 2. Weltkrieg und ich hab das Gefühl, dass meine Kameraden mehr über deutsche Geschichte wissen als ich. Sie behandeln in einer Stunde das, was wir in Berlin über mehrer Stunden verteilt behandelt hätten.
In den meisten andere Stunden sitze ich wirklich nur nutzlos herum, da alle irgendwie mit sich beschäftigt sind und der Lehrer auch nur an seinem Tisch sitzt und nichts tut. Aber wenn dann die Termine für die Arbeiten angesagt werden und das was dran kommt, ist das wirklich viel. Das waren manchmal 20  oder mehr Seiten in einem Buch über mehrer Themen gleichzeitig. Und das fande ich schon ein bisschen erstaunlich und viel.

Ich habe mich jedenfalls ein bisschen eingelebt, auch wenn ich so manche schwierige Morgende habe. Am Abend bin ich meisten sehr glücklich und habe den Tag genossen und lächle die ganze Zeit.

Wochenende

Am Wochenende ist nicht viel passiert. Am Samstag haben wir meinem Gastvater bei einem Fahrradrennen zugeguckt und ihn angefeuert, als er an uns vorbeifuhr. Er ist unter den Besten, obwohl die Fahrradfahrer ziemlich gefordert werden bei den Bergen die es hier gibt. Danach habe ich mir die Taekwondo-Stunden angeschaut und werde ab nächste Woche damit anfangen. Für 10 Monate 2 Mal in der Woche Training und 2 Mal Fitnessstudio bezahle ich 260 Euro. Das ist ziemlich preiswert für dieses Angebot und ich freue mich sehr, dass ich diese Sportart hier weiter ausüben kann. Am Abend waren wir auf einem Geburtstag von irgendeinem Cousin. Wir saßen zu 20 in einem Raum, haben eine Kindersendung geguckt, geredet und haben gegessen. Es gab zuerst ein normales Abendessen für alle und danach Kuchen. Hier braucht man keine große Party mit viel drum und dran, um seinen Geburtstag zu feiern. Es reicht eine kleine Feier unter den engsten Freunden und Verwandten. Alle schienen zufrieden und es war eine liebevolle Runde.
Auch heute haben wir meinem Gastvater bei einem weiteren Rennen zugeschaut und sind mit dem Auto neben ihm hergefahren, während mein Gastbruder und seine Freunde ihn angefeuert haben. Wir begleiteten ihn bis zur Ziellinie und fuhren dann nach Hause. Gerade sind wir von einem weiteren Kindergeburtstag wiedergekommen. Diesmal waren mehr Leute da. Die Erwachsenen saßen auf Stühlen und Bänken an den Wänden, es lief laute Musik und die kleinen Kinder, hauptsächlich Mädchen, tanzten in der Mitte zur Musik. Derweil wurden wir mit Essen bedient. Nachos mit Dip, ein warmes Abendessen, Eis und am Ende noch Kuchen. Ich bin fast geplatzt. Zwischendurch gab es eine Piñata. Alle prügelten sich förmlich um die Süßigkeiten, aber am Ende hatten beinahe alle gleich viel. Als der Kuchen reingetragen wurde, haben alle gesungen und das Mädchen, dass Geburtstag hatte, blies die Kerzen aus. Die Kerzen fingen aber immer wieder an zu brennen und das Mädchen war total verwundert. Es freute sich aber riesig, alle um sich zu haben und im Mittelpunkt zu stehen und es wurden viele Fotos gemacht.

Morgen ist wieder Schule und ich muss mit 3 meiner Klassenkameradinnen einen Kurzvortrag über Persönlichkeitsstörung, spezifiziert auf Schizophrenie halten. Manche Fächer sind hier wirklich anspruchsvoller, als auf meiner Schule in Berlin. Das hätte ich niemals gedacht, denn auch die anderen Schüler aus Deutschland, die in Costa Rica sind und mit denen ich in einer Whatsappgruppe bin, sagen, dass die Schule bei ihnen so anspruchsvoll ist als wären sie in der 8. Klasse. Trotzdem freue ich mich auf die Schule und morgen bin ich ja auch nach der Schule mit den Mädchen aus meiner Klasse verabredet.

Mut

Dieser Abend war wohl der beste Abend der mir passieren konnte. Ich habe durch ihn so viel Mut bekommen wie von niemand anderem sonst. Es war ein Treffen mit dem AFS-Komitee von Paraíso und allen Austauschschülern, die hier oder in der Umgebung wohnen. Es kamen natürlich die Austauschschüler die ich schon kannte und die auch auf meine Schule hier gehen, alle Ansprechpartner der Austauschschüler, der Deutsche, der seine Gastfamilie hier besucht, eine Deutsche, die ich gestern bei der Infoverantstaltung kennengelernt habe und die hier arbeitet (sie hilft jüngeren Kindern und Jugentlichen in der Schule und betreut sie). Aber ich habe auch neue Leute kennengelernt. Es waren 2 Schüler aus Japan und ein Schüler aus Frankreich, die schon im Februar in Costa Rica angekommen sind. Sie haben sich vorgestellt und ein bischen von sich erzählt. Wie sie sich eingelebt haben, wie es ihnen geht und so weiter. Wir haben alle zusammen zu Abend gegessen und viel geredet. Und als ich so mit den neuen Gesichtern ins Gespräch kam, wurde mir bewusst wie gut sie Spanisch sprechen und wie wohl und glücklich sie sich hier fühlen. Ich konnte gar nicht mehr aufhören zu lächeln, selbst auf dem Nachhauseweg nicht. Sie sahen alle so verdammt froh aus, dass ich mich einfach dem Gefühl hingab und es genoß fröhlich zu sein. Ich habe sogar das erste Mal seit ich hier bin wirklich gelacht. Alle waren in so einer guten Stimmung, dass man gar nicht anders konnte als die ganze Zeit zu grinsen. Es wurden Scherze gemacht und alle haben geredet, ob sie nun Spanisch sprachen oder Englisch oder ein Mix daraus. Ich habe die Austauschschüler die schon länger hier sind viel gefragt, z.B. wie sie sich in den ersten Wochen gefühlt haben und es ging ihnen genauso wie mir. Manchen weniger, manchen mehr. Ich habe so viel Erfahren, dass ich glaube, dass ich ab heute mein Leben hier wirklich genießen kann.
Natürlich habe ich in den Gesichtern der Austauschschüler die schon seit Februar hier sind, auch Angst und Traurigkeit gesehen. Und auch mein Gefühl fängt an die Seite zu wechseln. Ich kann mir jetzt schon vorstellen, auch jetzt mehr durch diesen wunderbaren Abend, wie es sein wird, wenn mein Rückflug immer näher rücken wird. Ich werde das Gefühl haben, zu wenig Zeit gehabt zu haben, um meinen Freunden und meiner Familie alles weiter zu geben, was ich aus Deutschland kenne und es wird eine Leere entstehen, wenn ich zurück in Deutschland sein werde. Die Leute sind hier so anders und das merke ich schon nach diesen 2 Wochen. Fröhlich, ausgelassen und zufrieden mit dem was sie haben. Sie leben ihr Leben und genießen jeden Moment den sie auf dieser Erde haben, denn ihnen ist bewusst, dass sie nur dieses eine Leben haben. Ich schaue jeden Tag in die Gesichter von den Leuten denen ich begegne und von denen die ich schon kenne und bin jetzt schon unfassbar traurig, dass ich nur ein Jahr Zeit habe, diese wunderbare Kultur und diese andere Mentalität der Menschen kennenzulernen und weiß jetzt schon, dass wenn ich zurück in Deutschland bin, nur noch zurück nach Costa Rica werden wollen, da mir die Art der Menschen hier um ein vielfaches besser gefällt, als die Art der Deutschen. Alle sind glücklich und akzeptieren einen so wie man ist. Alle sind nett zueinander, auch wenn man sich nicht kennt und es gibt trotzdem herzliche Küsse und Umarmungen.
Auch als ich zu Hause ankam, war ich noch von den Gefühlen erfüllt, die ich an dem Abend gespürt hatte und nutze diese Gelegenheit und meinen neuen Mut, um mit meiner Familie zu reden. Ich habe ihnen erzählt, dass ich es schade finde, dass ich noch nicht so viel reden kann und dass ich eigentlich viel zu sagen habe und sie haben mich beruhigt und mir gesagt, dass ich in 2 Monaten so schnell und flüssig reden kann wie sie. Danach saßen wir einfach nur auf dem Bett meiner Gasteltern, haben geredet und gelacht und haben nebenbei einen spanischen Film geguckt.
An diesem Abend war ich das aller erste Mal  wirklich wirklich glücklich, diesen großen Schritt gegangen zu sein und versuche jetzt dieses Gefühl für immer fest zu halten.

Tage

Als ich heute Morgen aufgewacht bin habe ich sehr gegen das aufkommende Gefühl, dass ich auch die letzten Tage hatte, angekämpft. Ich sagte mir in meinem Kopf, dass sich in Deutschland nicht viel verändern wird, in der Zeit die ich weg bin und das ich hier die beste Zeit meines Lebens haben werde. Und es hat geholfen. Ich murmelte es so oft bis ich aufstand, mich fertig machte und in die Schule ging. Danach hatte ich eh zu viel im Kopf. Alle Fragen zu beantworten die mir gestellt wurden und versuchen den Unterricht zu verstehen.

Heute hatte ich nämlich das erste Mal einen langen bzw. normalen Schultag. Ich habe mich sogar für nächste Woche Montag mit den Mädchen aus meiner Klasse verabredet. Wir werden zu einer von ihnen gehen und dort einen Film gucken. Außerdem planen wir nächste Woche Samstag schwimmen zu gehen. Ich finde es großartig wie sie mich integrieren und freue mich schon riesig auf die Zeit, in der ich mich eingelebt habe, fließend sprechen kann und einfach nur mein Leben hier genießen kann.
Bisher war in der Schule noch nicht viel los. In den Stunden die ich bereits hatte, haben wir wirklich nichts gemacht. Die ganze Klasse saß einfach nur im Klassenraum und hat sich irgendwie beschäftigt. Für mich ist das nicht weiter schlimm.
Immer wenn ich mit meinen Kameradinnen zusammensitze, möchte ich soviel über mich und mein Land erzählen und auch wenn ich mit meiner Familie zusammensitze habe ich den Drang von mir und meinem Leben zu berichten. Aber noch funktioniert das nicht wirklich. Die meisten Fragen beantworte ich nur mit ja oder nein und wenn ich mal mehr sagen will, muss ich davor mir das, was ich sagen will genau überlegen, damit ein halbwegs verständlicher und vollständiger Satz rauskommt. Ich denke dann immer, dass ich Spanisch nie lernen werde, aber dabei vergesse ich, dass ich erst knapp 2 Wochen hier bin und das alles noch wird.Wenn wir also in unserer Gruppe sitzen, sehe ich in jedem neuen Gesicht eine werdende Freundin und bin manchmal schon dann traurig, dass ich nur 1 Jahr Zeit habe, um sie alle kennen zu lernen. Ich werde nur dieses Jahr Zeit haben um diese Freundschaften aufzubauen und will nicht daran denken, dass ich sie nach dem Jahr nie wieder sehen werde.

Morgen ist eine Infoverantstaltung von AFS zu der ich Informationen zu Deutschland raussuchen soll, um Eltern zu animieren einen Gastschüler aus meinem Land aufzunehmen. Ich habe 2 Seiten gestaltet mit allgemeinen Infos zu Deutschland, typischem Essen, ein paar Bildern zur Landschaft und eine Liste mit Vorurteilen, die häufig vorkommen, wenn Menschen an Deutschland denken. Übermorgen muss ich diese Informationen auch in der Schule irgendwie vorstellen, aber dazu werde ich mich nochmal erkundigen.

In den nächsten Tagen werden meine Gastmutter und ich mich bei Taekwondo anmelden und ich bin so froh, dass es hier die Möglichkeit gibt, diese Sportart zu machen. Ich werde nicht nur endlich wieder Sport machen, sondern auch ein bisschen Alltag aus meinem Leben in Deutschland hierher bringen. Außerdem verlerne ich nicht das, was ich die letzten Jahre beim Training gelernt habe und kann, wenn ich zurückkomme, vielleicht endlich den schwarzen Gürtel machen.

Alles in allem geht es mir von Tag zu Tag besser, auch wenn manchmal Tiefpunkte auftreten und ich freue mich auf dieses Leben in diesem Jahr.

Schule!

Heute war ich das erste Mal in der Schule. Ich musste um 6 aufstehen, da hier die Schule schon um 7 anfängt. Ich machte das, was ich jeden Morgen machte und ging los. Ich wusste nicht wo der Raum war in dem ich Unterricht hatte und fragte nach. Als ich dort ankam war noch niemand im Klassenraum, obwohl es schon 10 vor war. Langsam kamen die ersten Leute und ich setzte mich auch auf einen Platz. Die Tische und Stühle in Costa Rica sind anders als in Deutschland. Es sind einzelne Sitzplätze und die Stühle sind sozusagen mit den Tischen verbunden. Was mir dabei aufgefallen ist, ist dass es nur Armlehnen auf der rechten Seite gab und keine auf der linken. Was ist wenn jetzt jemand Linkshänder ist? Es kamen zwei Mädchen in den Klassenraum und sie begrüßten mich und fragten mich ein paar Sachen über mich. Es kamen mehr und mehr und alle begrüßten mich. Als der Unterricht begann, saßen alle Mädchen auf einer Seite des Klassenraums und alle Jungs auf der anderen. Die Lehrerin bat eine Schülerin mich vorzustellen und der Unterricht begann. Während die Lehrerin redete bemerkte ich, dass die halbe Klasse redete, Musik hörte oder am Handy spielte. Aber die Lehrerin redete trotzdem weiter. Sie erzählte auch, was in der Arbeit dran kommen würde und gab uns zur nächsten Woche eine Gruppenpräsentation auf. In der Pause liefen wir alle die Gänge entlang und die Mädchen zeigten mir verschiedene Räume, in denen wir in den nächten Tage unterrichtet werden. Auch in der nächsten Schulstunde ging es nur um eine bevorstehende Arbeit, dann viel eine Stunde aus und in der nächten, Chemie, konnte ich sogar mitarbeiten. Es ging darum, auszurechnen, wie viel ein bestimmtes Molekül wiegt. Dazu musste man nur die einzelnen Massen der verschiedenen Atome zusammenrechnen und ich war nach ein paar Minuten mit den Aufgaben fertig. Nach Chemie konnte ich nach Hause, da heute der einzige Tag ist, an dem ich nur bis 11 Uhr Schule habe. Sonst geht sie bis halb 5.
Gestern habe ich mich noch auf die Schule gefreut. Ich lerne endlich wieder was und habe etwas zu tun. Aber jetzt habe ich Angst, dass ich den ganzen Stoff, den sie hier gerade behandeln schon in Deutschland behandelt habe und dass ich über das Jahr hinweg vieles vergesse, dass in der 11. wieder wichtig wird. Für viele wäre das vielleicht entspannend. Ein Jahr keine richtige Schule und sich einfach zurücklehnen, aber wenn es in der 11. in Deutschland wieder weitergeht, habe ich ein Jahr ausgesetzt und bin aus dem Stoff raus. Und das einzige Fach in dem ich dann gut sein werde wird Spanisch sein.

Ich sitze gerade in meinem Zimmer zu Hause und habe glaube ich eine Tiefphase. Ich denke nur noch an zu Hause und stelle mir vor, was ich jetzt alles dort machen könnte. Hier ist es nicht üblich sich außerhalb der Schule mit Schulfreunden zu treffen. Und zu Hause macht man auch nichts gemeinsam, außer am Wochenende mal wegfahren. Alle sind hier mit sich beschäftigt und ich versuche mich mit meinem Laptop zu beschäftigen. Ich habe es satt, Tag für Tag in meinem Zimmer zu sitzen und nichts zu tun, außer mir auf Youtube sinnlose Videos anzuschauen. Auch jetzt, wo Schule angefangen hat, habe ich nichts zu tun. Hausaufgaben sind nicht viele und die meisten muss ich sowieso nicht machen, da ich noch nicht viel verstehe. Zu Hause könnte ich mich mit Freunden treffen, raus gehen, bei meiner Familie sein. Alles andere als hier. Ich hoffe trotzdem, dass ich das alles aushalten, auch wenn ich jetzt in dem Moment nur noch hier weg will und mir vorstelle, wie es wäre, das Jahr abzubrechen. Ich muss das durchhalten!