Unterschiede

Hier ist eine Liste mit den Sachen, die anders sind, zu dem was ich gewohnt bin. Die Punkte beziehen sich nur auf meine eigenen Erfanhrungen und müssen nicht für andere Familien bzw. Orte in Costa Rica gelten. Immer wenn mir etwas neues auffällt, verlängert sich diese Liste.

1. Keine selbstgebackenen Kuchen – Ich habe noch keinen Kuchen gegessen, der nicht gekauft war. Selten backen Familien mal einen Kuchen    (mit einer Backmischung).

2. Kein Ofen –  Meine Familie hat keinen Ofen. Ich habe ein paar Freunde gefragt, ob sie einen Ofen zu Hause haben und sie meinten „ja“, aber sie würden ihn nahezu nie benutzen.

3. Fotos, Fotos, Fotos – Es stimmt, dass die Leute hier immer und überall Fotos machen und sie auch immer auf Facebook posten. Zuhause, auf einem Ausflug, im Auto, beim Sport etc.

4. Das ganze Dorf fährt Fahrrad – Ich habe das Gefühl, dass alle Männer, männliche Jugendliche und auch einige Frauen in Paraíso und Umgebung Fahrrad fahren. Mein Vater zum Beispiel fährt jeden Tag mindestens 4 Stunden Fahrrad und fährt auch ab und zu Rennen, die ich mir dann mit meiner Mutter angucken gehe. Und er ist anscheinend einer der besten, denn er gewinnt immer Geld.

5. Die Frau ist die Dienerin – Ein Beispiel: Mein Vater sitzt auf einer Seite der Küchentheke und meine Mutter auf der anderen. Er will dann Brot haben, dass auf seiner Seite der Küchentheke hinter ihm liegt und er nur einen Meter machen muss um an das Brot zu gelangen. Stattdessen muss meine Mutter aufstehen, um die Küchentheke herumgehen und ihm das Brot geben. Außerdem schmiert sie für meinen Vater das Brot, macht ihm Kaffee und holt ihm alles was er will. Ich finde das ein bisschen diskriminierend, aber so ist das hier üblich.

6. Ohrringe und Tattoos – Was mir immer wieder auffällt ist, dass viele Jungs, im Vergleich zu Deutschland, Ohrringe tragen. Meistens sind es Tunnel und außerdem haben hier viel mehr Leute Tattoos. Selbst bei Personen, bei denen man niemals denken würde, dass sie ein Tattoo haben.

7. Weißbrot – Das ist zwar allgemein bekannt, aber ich wollte es trotzdem nochmal erwähnen, dass es hier kein ordentliches Schwarzbrot bzw. Vollkornbrot gibt. Nur Baguette oder Weißtoast. Als ich meine Gastmutter danach fragte, meinte sie, dass es das wohl gibt und das sie mal eins mitbringt. Was sie allerdings mitbrachte, war einfach normales Toast, dass ein bisschen dunkler war und auf dem Vollkorntoast draufstand.

8. Chinesen – In Paraíso gibt es viele Chinesen, da hier viele Eltern mit ihren Kindern hinziehen, sie in die Schule hier schicken und ein Restaurant aufmachen. Ich freue mich darüber, denn manchmal bringt meine Gastmutter Essen vom Chinesen mit, dass ich über Alles liebe.

9. Hunde – In Costa Rica gibt es einfach überall besitzerlose Hunde. Man sieht sie jeden Tag in der Schule, in der Stadt, überall.

10. Halloween, Ostern – Die Leute hier kennen zwar Halloween und Ostern, aber feiern tut das hier niemand. An den Tagen vor Halloween und an Halloween, werden manche Bars oder Restaurants mit ein paar Spinnen, Puppen und sonstigen Sachen geschmückt. Ostern wird nicht wie bei uns in Deutschland mit Eiersuchen gefeiert, sondern es gibt Feste und Umzüge mit Masken, ähnlich wie beim Karneval.

11. Autowerbung – Ich weiß nicht wie oft in der Woche genau, aber mindestens 1 Mal fährt ein Auto durch unsere Straßen mit einem Lautsprecher auf dem Dach, dass Sonderangebote oder Reduzierungen im Supermarkt ankündigt.

12. Regen – Der Regen ist hier manchmal unglaublich stark und die Wände und Dächer anscheinend viel zu dünn, da wir einmal den Unterricht abbrechen mussten, da der Regen zu laut war. Man versteht sein eigenes Wort sogar nicht, wenn es so stark regnet.

13. Ähnlichkeit – In Deutschland bin ich noch keiner Familie Familie begegnet, die sich so ähnlich sieht wie es viele hier tun. Mein Gastvater und mein Gastbruder zum Beispiel, sehen fast gleich aus und auch die Gastschwestern von einer Italienerin, könnten sich nicht ähnlicher sehen.

14. Geburtstage – Hier werden die Geburtstage nicht so gefeiert wie in Deutschland. Es gibt zwar Kuchen und man läd ein paar Verwandte ein, aber es gibt keine große Party und wenn, dann nur bei sich zu Hause mit ein paar Freunden. Die einzigen Geburtstage, die hier wirklich gefeiert werden, sind bei Mädchen der 15. Geburtstag und beim Jungen der 17. Ich weiß nicht warum gerade diese, aber so ist es. Sie mieten sich dann einen großen Salon und laden über hundert Freunde und Verwandte ein. Alle ziehen sich Ballkleider an und sie feiern bis in die Nacht hinein.

15. Weihnachten – In der Weihnachtszeit dekorieren die Leute hier extrem ihre Häuser. Es werden extra riesige Krippen gebaut, Weihnachtsbäume aufgestellt und überall werden weihnachtliche Vorhänge und Lichterketten aufgehangen. Trotzdem wird hier Weihnachten nicht so gefeiert wie in Deutschland. Hier schenkt man sich zu Weihnachten nicht so viel, sondern nur Kleinigkeiten. Ich habe von meinen Gasteltern Schuhe geschenkt bekommen und am 24. werde ich meiner Familie ein paar Kleinigkeiten schenken.

16. Tankstellen – Hier bleibt man, wie auch in Brasilien, im Auto sitzen und der Tankwart füllt deinen Tank und man bezahlt ih  direkt auf die Hand.

 

 

 

Spaß

Japanisches-EssenLetzte Woche Samstag haben die Japanerin, 2 Mädchen aus ihrer Klasse, 2 Jungs aus ihrer Klasse, ein Mädchen, dass ich nicht kannte, ein Schwede, ein Franzose und ich uns das erste Mal wirklich verabredet um etwas zu unternehmen. Wir standen relativ früh auf und trafen uns alle im Park von Paraíso. Die Eltern eines Mädchens fuhren uns zu einem Schwimmbad in Orosi, einer nahegelegenen Stadt. Es war ein sehr schönes Schwimmbad, denn es bestand aus einer sehr großen, grünen Anlage, zu der auch ein Stück Wald gehörte. Es gab einen Billardtisch, 2Tischtennisplatten, ein Fußballfeld und ein Volleyballfeld. Außerdem mehrere überdachte, in 4 geteilte Häuser, wo man seine Sachen lassen konnte. Wir richteten uns in einer dieser „Ecken“ ein und es gab erstmal frische Früchte, die die Eltern mitgebracht hatten. Danach machten wir uns fertig, um ins Wasser zu gehen. Wir hatten den perfekten Tag erwischt, da die Sonne sehr heiß war und das kühle Wasser unglaublich gut tat. Da die Austauschschüler an dem Tag noch zu einem japanischen Essen eingeladen waren, mussten wir früher los als die anderen. Wir fuhren also nach Cachí, einer anderen, auch sehr nahegelegenen Stadt, wo wir uns mit den anderen Trafen, die am Essen teilnahmen. Was wir nicht wussten war, dass wir erst einen Berg besteigen mussten, um zu dem Haus zu gelangen, in dem wir essen würden. Aber die Mühe hatte sich definitiv gelohnt. Als wir ankamen, sahen wir ein sehr schönes, großes Holzhaus mit japanischen Flaggen und Ballons mit den Farben der japanischen Flagge. Überall ums Haus standen weiße Tische und als wir uns hinsetzten, gab uns der Japaner ein Menü, auf alles draufstand, was wir an dem Tag zu essen bekommen würden. Für mich war es bisher das schönste Essen, da vor allem die Aussicht atemberaubend schön war und mir das Haus wirklich sehr gefallen hat. Ich saß mit den 3 Austauschschülerinnen, die auch auf meine Schule gehen, an einem Tisch und ich ließ mir das Essen sehr schmecken, da ich außer Frühstück an dem Tag nur ein paar Früchte gegessen hatte. Während ich alles um mich genoss, merkte ich, dass meine Schultern brannten und bemerkte einen knallroten Sonnenbrand auf beiden Schultern, meinem Nacken und meinem Dekolleté. Ich hatte mich nur mit Sonnenschutzfaktor 30 eingeschmiert und bin danach auch direkt ins Wasser gegangen. Ich konnte die nächsten Tage nichts auf meinen Schultern tragen, da es einfach zu wehtat, aber ich habe mir Aloe-Vera-Creme gekauft, die den Vorgang der Heilung beschleunigte.

Am Sonntagnachmittag ging ich mit meiner einen Schwester, ihrem Freund, der Italienerin, die hier um die Ecke wohnt, ihren 2 Schwestern und dem Freund einer Schwester ins Kino. Es war mein erster spanischer Film. Wir guckten den neuen Dracula-Film, der mich nicht wirklich beeindruckte, aber es hat trotzdem Spaß gemacht ihn auf Spanisch zu gucken und wenigstens habe ich Zeit mit meiner Familie und ein paar Verwandten verbracht.

Heute war ich mit meiner Mutter, meiner ältesten Schwester und 3 Freunden von mir in meinem Fitnessstudio tanzen. Heute hatten sie einen 80-Minutentanz mit Schwarzlicht angeboten, um Halloween zu feiern.  Alle hatten weiße oder neon-farbene  Kleidung an und es gab Scheinwerfer und sogar eine Nebelmaschine. Also tanzten wir 80 Minuten lang in einem dunklen Raum voller leuchtenden Farben, was mir unglaublich viel Spaß machte. Vor allem, da ich schon die Grundschritte kannte, da wir sie hier im Sportunterricht lernen mussten. Als meine Freundinnen und ich danach noch im Park waren und uns etwas zu trinken kauften, wurden wir auf einmal von 2 Autos mit jugendlichen Jungs verfolgt, die uns die ganze Zeit etwas zuriefen. Da sie einfach nicht verschwanden, riefen wir die Schwestern meiner einen Freundin an, die uns dann zum Glück mit dem Auto abholten. Aber alles in allem war es ein sehr toller Abend, den ich gerne wiederholen würde.

Tortuguero

Als wir am Freitag sehr früh losfuhren, war ich gespannt was mich erwartet. Die Natur, das Hotel in dem wir unterkommen würden, die Sachen, die wir unternehmen würden. Wir fuhren ca. 2 Stunden und hielten dann an um zu Frühstücken. Es war ein schönes Restaurant bzw. Hotel und auf dem Parkplatz stand ein Mammutbaum (Info), der verglichen zu dem im Arrival-Camp, sehr dick war. Alle waren natürlich fasziniert und es wurden viele Fotos gemacht. Nach weiteren 2 Stunden hielten wir an einem Fluss, denn ab da kam man nur noch mit dem Boot weiter. Nach Tortuguero führen nämlich nur Boote. Wir fuhren eine Stunde den kurvigen Fluss entlang und schon dort waren wir von blühender Natur umgeben. Wir legten an einer schönen Holzterrasse an und es gab einen Cocktail (natürlich Alkoholfrei) aus frischen Früchten. Die Hotelanlage war sehr groß. Sie führte sogar in den Urwald rein. Nahezu alles bestand aus schönem Holz, die Zimmer waren schön eingerichtet und es gab einen Pool. Außerdem war man von Bäumen und Pflanzen umgeben und  den ganzen Tag konnte man, wenn man genau hinguckte, überall die verschiedensten Tiere sehen. Es gab riesige Raupen, Schmetterlinge, Eidechsen, Spinnen und ganz viele Affen. Es war wunderschön jeden Morgen aufzuwachen, aus dem Fenster zu schauen und direkt eine Affenmutter mit ihrem Baby auf dem Rücken zu sehen.
Als wir uns alle in unseren Zimmer eingerichtet hatten, fuhren wir mit dem Boot in das Dorf Tortuguero, das direkt am Meer lag. Das Dorf besteht, soweit ich das mitbekommen habe, aus einem Weg mit Häusern auf beiden Seiten, einem Platz von dem die Boote ablegen und ankommen und einigen Abzweigungen zu Wohnhäusern. Die Läden waren meist für Touristen. Schmuckläden, ein Einkaufsladen, Eisdielen und viele Männer mit ihren Karren voller frischer Kokosnüsse. Natürlich kaufte ich mir sofort eine um das Gefühl hervorzurufen ich sei wieder in Brasilien. Natürlich schmeckte sie so wie ich sie in Erinnerung hatte und als ich sie ausgetrunken hatte, versuchte ich die harte Schale mit meinen Händen zu brechen um an das Innere zu gelangen und das Kokosnussfleisch zu essen. Alle Austauschschüler bekamen dann einen Handschuh und eine Plastiktüte, denn der eigentliche Grund für unser Kommen war, dass wir Müll am Strand sammeln sollten. Ich lief nah am Meer und sammelte nicht so viel Abfall, aber dafür fand ich 2 kaputte und 3 ganze versteinerte Seesterne. Leider sind mir die 3 auf dem Rückweg kaputtgegangen, aber ich werde bestimmt nochmal zum Meer fahren um welche zu sammeln. Am späten Nachmittag hüpften wir alle zusammen in den Pool, da das Klima dort unglaublich feucht ist. Man hat den ganzen Tag einen leichten Schweißfilm auf der Haut und wenn man sich nur ein bisschen anstrengte, fing man direkt an zu schwitzen. Am Abend machten wir uns dann auf den Weg zum Strand. Dafür mussten wir nochmal ins Dorf fahren, aber das dauerte nur ca. 5 min. mit dem Boot. Wir gingen in kleinen Gruppen zu den Schildkröten, die die Führer entdeckt hatten. Die Schildkröte zu der unsere Gruppe ging war ungefähr 1 Meter lang und einen halben Meter groß. Sie hatte das Loch um die Eier zu legen schon gebuddelt und war mitten im Legen. Der Führer benutzte ein rotes Licht, damit wir sie sehen konnten, da die Führer in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen mit normalem, weißem Licht gemacht hatte. Wir durften auch keine Fotos machen, da der Blitz die Schildkröte erschrecken konnte und viele Schildkröten in der Vergangenheit so verwirrt waren, dass sie in die falsche Richtung liefen und im Wald starben. Wir warteten den ganzen übrigen Prozess ab. Eier legen, Loch zu buddeln, dass nur ca. 20 Minuten brauchte, und wieder ins Meer zurück laufen. Es hat mir sehr gefallen und es war sehr interessant was der Führer uns alles über Schildkröten erzählte.

Am Samstag mussten wir um 5 aufstehen, da wir eine Bootstour machen wollten. Wir bildeten 3 Gruppen, die mit verschiedenen Führern fahren würden. Wir fuhren also durch die verzweigten Kanäle Tortugueros und man war von leuchtend grünen Pflanzen umgeben. Die Farben waren so kräftig und voller Leben. Es war unfassbar. Der Führer zeigte uns die verschiedenen Tiere die er entdeckte. Ein Faultier, zwei Kaimane, Spinnen, Eidechsen (sehr kleine und sehr große) und Vögel. Ich genoss es einfach im Boot zu sitzen und die Natur auf mich einwirken zu lassen. Als wir zurückkamen, gab es endlich Frühstück und nachdem wir uns sattgegessen hatten, ging es auch schon weiter im Programm. Wir liehen uns Stiefel aus und es ging in die Tiefe des Urwalds. Da durch die dicke Blätterdecke nicht so viel Sonne kam, war der Boden voller Schlamm, da die Sonne das Regenwasser nicht verdampfen konnte. Es machte Spaß sich Wege zu suchen um nicht ganz durch den tiefen Matsch laufen zu müssen. Eine Freundin fiel nämlich hin und zog zwei weitere mit in den Schlamm. Nachdem wir uns am Ende alle wieder sauber gemacht hatten ging es schon wieder weiter mit den Aktivitäten. Die erste Gruppe, in der ich war, war dran mit Canopy. Das ist sowas wie ein Kletterwald. Ich habe das schon oft in Deutschland gemacht und auch einmal in Brasilien. Dort waren wir höher als in Deutschland in den Bäumen und hatten eine fantastische Aussicht. Am Ende gab es eine Seilbahn über den Urwald hinweg. Das Canopy hier hat mich ein bisschen enttäuscht, da es wie ein normaler Kletterwald war. Ein paar Seilbahnen, ein paar Brücken und eine Tarzan-Schaukel. Da wir den ganzen Vormittag Programm hatten, hatten wir den Nachmittag frei. Wir liefen durch die Hotelanlage oder hingen am Pool ab und ruhten uns aus. Es hat wieder viel Spaß gemacht sich mit den anderen Austauschschülern auszutauschen und zu erfahren wie sie es in ihren Familien und ihrer Umgebung haben. Es waren viele positive Eindrücke dabei, aber auch einige negative und mir ist nochmal ausgefallen, wie gut ich es in Paraíso habe.
Am Sonntag war der Ausflug auch schon zu Ende und als wir in San José ankamen, regnete es in Strömen. So einen Regen habe ich nur in Brasilien erlebt. Zum Glück trug ich Badelatschen, denn manchmal ging mir das Wasser über die Knöchel. Als ich endlich zu Hause ankam, war ich fast von oben bis unten nass, obwohl ich einen Regenschirm hatte.

Das Wochenende hat mir im Gesamten sehr viel Spaß gemacht und ich habe wieder neue Sachen dazugelernt und viele neue Eindrücke gewonnen.

Ans Herz wachsen

So langsam verliebe ich mich in alles, was in meiner Umgebung ist. Die Leute, die Stadt, das Leben hier. Letzte Woche habe ich sehr viel Zeit mit allen anderen Austauschschülern, die auf unserer Schule sind, verbracht und wenn ich sie ansehe, schmerzt es in meinem Herz. Es ist komisch, da ich sie erst so kurze Zeit kenne, aber wir verstehen uns alle total gut und haben alle etwas gemeinsam. Dieses Auslandsjahr. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich sie in weniger als 1 Jahr nie mehr wieder sehen werde. Jedes Mal, wenn wir irgendeine AFS-Verantstaltung haben und alle Austauschschüler anwesend sind, könnte ich anfangen zu weinen. Es ist wahrscheinlich für andere, die nicht soetwas erleben was ich gerade erlebe, schwer vorstellbar so zu empfinden, aber diese Gemeinsamkeit, ein Jahr auf sich alleine gestellt zu sein, Ängste zu haben, Problemen gegenüber zu stehen, Lösungen zu finden, anfangen hier lieben zu lernen und so weiter, schweißt unglaublich zusammen.
Auch in die Stadt verliebe ich mich und ich kann mir nicht mehr vorstellen hier weg zu gehen. Ich hätte nie gedacht, dass ich mal ein Dorf lieben lerne. Als ich vor meinem Auslandsjahr darüber nachdachte in ein kleines Dorf zu kommen, wo man alles zu Fuß in 10 min. erreichen kann, konnte ich mir dass nicht vorstellen. Ich dachte, dass es auf die Dauer sehr langweilig werden würde und ich das hassen würde. Aber das tue ich definitiv nicht. Alles notwendige, was man im Alltag braucht, kann man hier kaufen und wenn man mal neue Klamotten braucht oder Möbel etc., dann fährt man halt mal 30 min. mit dem Bus in die nächste größere Stadt.
In Deutschland werde ich auch wahrscheinlich nicht so oft Sport machen können wie hier. 1. Da ich wahrscheinlich viel zu sehr im Abi-stress sein werde und 2. weil ich viel zu lange zum Training fahren muss. Es ist so angenehm und irgendwie erholend hier zu leben, dass ich mir nicht mehr vorstellen kann ohne das alles hier zu leben. Und auch die Leute beim Taekwondo fangen an mir so richtig ans Herz zu wachsen. Natürlich mag ich auch die Leute aus meiner Klasse, aber manchmal habe ich das Gefühl, dass sie sich nicht wirklich für mich interessieren. Die Leute beim Taekwondo sind alle so nett und ich laufe ganz oft mit einem Jungen, den ich dort kennengelernt habe und der auch auf meine Schule geht, nach Hause. Und es macht Spaß sich auf Spanisch zu unterhalten. Vor allem dann, wenn du auch viel sagen kannst und du ein echtes Gespräch hinbekommst.
Es macht mich so unglaublich traurig, sowiele unglaublich tolle Menschen und soviel Nächstenliebe um mich zu haben. In manchen Punkten vermisse ich Deutschland und mein Zuhause dort schon, aber viele der anfänglich Sachen die ich vermisst habe, haben sich geändert. Ich kann das alles eigentlich garnicht beschreiben und ich weiß, dass es für viele, die dies hier lesen, fast gar nicht vorstellbar ist, wie ich mich gerade fühle, aber das einzige was ich sagen kann ist, dass man Deutschland und die Unterschiede zu anderen Ländern erst wirklich kennenlernt, wenn man in diesem Land lebt. Man lernt sich besser kennen, man erfährt andere Arten von Liebe, die man sich nie zugetraut hätte bzw. von der man nie wusste, dass es sie gibt und es ist einfach das schönste Gefühl, dass man haben kann.

Abschlussball

IMG_2287Um 3 Uhr fingen meine Gastschwestern und meine Gastmutter an sich fertig für den Abschlussball meiner Gastschwestern zu machen. Wir mussten um 4 losfahren, da wir 1 1/2 Stunden nach San José brauchten und der Ball um 6 anfing. Ich fing um kurz vor 4 Uhr an, mich fertig zu machen. Eine meiner Gastschwestern trug ein bodenlanges, trägerloses, lila Kleid und meine andere Schwester ein bodenlanges, blaues Kleid. Meine Gastmutter trug ein kurzes halb schwarzes, halb silbernes Kleid und ich ein schlichtes graues, um das ich mir ein Tuch hing, um die Schultern zu bedecken. Als wir ankamen, sah ich einen riesigen Parkplatz vor einer riesigen Halle die von Scheinwerfern beleuchtet wurde. Und ich sah Unmengen von Menschen mit Anzügen, Prizessinenkleidern und zentimeterhohen Absätzen. Ich kam mir ein bisschen underdressed vor, aber später merkte ich, dass sich nur die Abiturienten wirklich so schick gemacht hatten. Die Schuhe, die ich trug, waren mir schon ein bisschen zu klein geworden und taten deswegen sehr weh. Wir stellten uns in die lange Schlange vor dem Eingang und warteten auf meinen Gastvater, der sich noch im Auto umziehen musste. Als wir endlich in die riesige Halle reinkamen, sah ich eine Bühne und davor Platz zum Tanzen. Danach standen in regelmäßigen Abständen unzählige, schön gedeckte Tische für die Familien der Abiturienten. Die Schulabgänger hatten alle zusammen einen großen Tisch und saßen nicht bei ihren Familien. Wir hatten Tisch Nummer 34, den wir uns mit noch 2 Familien teilten. Während wir auf den Beginn der Verantstaltung warteten, wurden mehrere Kleinigkeiten IMG_2313serviert und es gab etwas zu trinken. Als dann die laute Stimme des Moderators erklang, drehten sich alle in Richtung Eingang. Die Mädchen und Jungen wurden immer paarweise aus einer Klasse aufgerufen, die dann zusammen über einen roten Teppich gingen und sich in einer Reihe aufstellten. Danach mussten sie alle zusammen tanzen. Da es 9 Klassen einer Klassenstufe gab, wurden immer 3 Klassen aufgerufen, die dann tanzen mussten und danach die nächsten drei. Nach mehr als 2 Stunden gab es dann Musik und alle Jugendlichen tanzten. Auf einmal kündigte der Moderator eine Überraschung an und eine Limousine fuhr in die Halle rein. Nach wenigen Sekunden hatte sich eine Wand aus Menschen darum gebildet und ich konnte nicht sehen wer ausstieg. Es war anscheinend ein Sänger, denn anschließend wurde Musik gespielt und jemand sang. Es war ein costarikanischer Sänger und ich kannte ihn nicht. Ein Mädchen, das öfter bei uns zu Besuch war, animierte mich mitzutanzen und wir gesellten uns in eine Runde ihrer Klassenkameraden. Tanzen konnte man das nicht nennen, denn die meisten traten nur von einem Fuß auf den anderen. Trotzdem war es schön sich mal zu bewegen, da man die meiste Zeit nur auf den Stühlen saß. Um 11 Uhr abends gab es dann Abendessen. Man wurde tischweise aufgerufen und gebeten, sich an eine der 4 Schlangen zu stellen. Es gab Salat, Reis, Kartoffelpüree, 2 Arten von Fleisch und einen Nachtisch. Nachdem sich alle satt gegessen hatten, kamen um 12 Uhr brasilianische Trommler und Tänzer mit wunderschönen Kostümen. Es gab sogar wieder typische große IMG_2306Puppenkostüme aus Costa Rica, die auch zur Musik tanzten. Alle flippten aus und tanzten zur Musik. Es wurden Hüte und Masken an die Schüler verteilt und alles war ein buntes Gewimmel.
Da ich todmüde war, lag ich halb auf dem Tisch und versuchte ein bisschen zu schlafen. Um Punkt eins wurde ruckartig die Musik gestoppt und die Lichter gingen an. Alle standen auch im gleichen Moment auf und gingen zum Ausgang. Ich war mit der Situation ein bisschen überfordert und draußen war es zudem noch richtig kalt. Diesmal brauchten wir nur 1 Stunde nach Hause und wir fielen alle erschöpft ins Bett.

 

Autogramme geben

Die letzten drei Tage haben wir, die Austauschschüler, abwechselnd in 3-Gruppen oder mehr  mit einigen Lehrern Grundschulen besucht um die Sechstklässler dazu zu animieren auf unsere Schule zu kommen, da das Schuljahr hier bald endet. Am Mittwoch um 12:30 haben sich alle die auf meine Schule gehen, außer einer der Italienerinnen, vor der Grundschule auf die mein kleiner Gastbruder geht getroffen. Ich hatte keine Ahnung was mich erwartete und war ein bisschen aufgeregt als einer der Lehrer der uns begleitete sagte, dass wir jeder in eine andere 6. Klasse gehen würden und da vor der ganzen Klasse über unsere Schule reden sollten. Als ich in die Klasse reinkam durfte ich mich auf einen Stuhl neben der Tür setzen und wartete bis 2 Lehrer einen Beamer aufgebaut hatten und ihn mit einem Laptop verbunden hatten. Danach stellten sie sich vor und auch ich sollte kurz einen Namen sagen und aus welchem Land ich komme. Anschließend ging die Präsentation los. Die Lehrer redeten über die verschiedenen Möglichkeiten die man auf unserer Schule hat wie zum Beispiel viele verschiedene Sportclubs, die verschiedenen Fächer die man haben wird oder darüber, dass wir einmal die ganz normalen Schüler haben, die am Tag zur Schule kommen,  dann Jugendliche die mit über 15 in die 7. Klassen kommen und deshalb von 6 Uhr bis halb 10 abends Unterricht haben und über Jugendliche die eine spezielle Betreuung bzw. Hilfe brauchen und die in einem Abgetrennten Part unserer Schule unterrichtet werden. Es war selbst für mich interessant, da ich das meiste gar nicht wusste. Folgend wurde ein Video über die Schule abgespielt mit Bildern von der Schule und den Räumen. Es war für mich unglaublich lustig und ich musste das ganze Video über lachen, da die Musik zum Video einfach gar nicht passte. Es war ein Video über die Schule mit lernenden Kindern und Jugendlichen und dazu hörte man Party-Beatdrop-Musik. Jedenfalls war ich danach an der Reihe. Ich sollte über die Schule erzählen und sagen wie ich sie finde. Ich sagte, dass die Schüler alle sehr nett sind und die Lehrer viel Kontakt mit den Schüler haben und alle sehr vertrauensvoll sind und dass mir die Schule deswegen gefällt, da sie viel offener und freier ist und es viel mehr Grünflächen gibt  als die Schulen in Deutschland.
Am Donnerstag waren nur die Deutsche, eine Italienerin und ich unterwegs. Wir besuchten 2 Grundschulen und bekamen sogar Frühstück und Mittagessen. Wir haben viele Fotos gemacht, gelacht und viel Spaß gehabt. Diesmal sind wir nämlich zusammen von Klasse zu Klasse gegangen, haben uns vorgestellt und die Schüler hatten Zeit Fragen zu stellen. Sie waren am Anfang immer sehr schüchtern und niemand stellte Fragen, aber nachdem die Lehrer sie z.B. fragten: „Weißt du wie das Wetter in Italien ist?“ und sie es natürlich nicht wussten, fingen ein paar Kinder an Fragen zu stellen. Die häufigste Frage, die ich gehört habe war: „Wie ist es in Italien?“ Meistens schrieben wir am Ende in unseren jeweiligen Sprachen „Hallo“, „Wie geht es dir?“, „Ich habe Hunger“ und „Tschüss“ an die Tafel. Gestern wurden wir als wir gerade die Schule verlassen wollten von unzähligen Kindern umzingelt, die Fotos mit uns machen wollten oder ein Autogramm plus einen Satz in unserer Sprachen in ein Heft geschrieben haben wollten. In solchen Momenten weiß ich nie was ich in ein Heft reinschreiben soll, aber es war ja egal, da sie es eh nicht verstehen würden. Also schrieb ich sowas wie: „Bleib wie du bist“, „Liebe dich“ oder „Bist ein Süßer/ne Süße“. Es hat irgendwie wirklich Spaß gemacht. Einige wollten sogar unsere Handynummern oder unsere Facebooknamen haben.
Heute waren die Deutsche, diesmal der Junge aus Japan und ich unterwegs. Diesmal stand der Japaner eindeutig im Mittelpunkt. Ich hatte das Gefühl, dass die ganze Schule zum ihm kam und wollte, dass er ihre jeweiligen Namen auf Japanisch schreibt. Es hörte einfach nicht auf. Als ich das Gefühl hatte, dass das jetzt die letzten Kinder waren, strömten weitere aus anderen Klassen raus und kamen auf uns zu. Als alle schon zum Auto gegangen waren und ich mit der Canon-Kamera von einem Lehrer um den Hals auf den Ausgang zulief, fragte mich ein Mädchen ob ich fotografiere und ich bejahte, da es stimmte. Ich fotografierte mit dieser Kamera. Sie hatte aber glaube ich verstanden, dass ich sowas wie eine berühmtere Fotografin wäre und wollte ein Autogramm auf ihren Arm. Als das die anderen Kinder sahen war ich in weniger als 30 Sekunden umzingelt und mir kam es so vor, als wären überall Arme. Ich sollte jedem ein Autogramm auf den Arm geben, obwohl ich eigentlich schon längst los musste. Nach gefühlten 20 Minuten hupte zum Glück meine Mitfahrgelegenheit, ich entschuldigte mich und rannte durch den Regen zum Auto. Es lagen noch 2 Schulen vor uns, aber ich war sehr müde und hatte keine Lust mehr. Plötzlich fing es auf einmal an heftigst zu regnen. Sowas habe ich noch nie erlebt. Sonst fängt es hier langsam an zu regen und baut sich dann langsam auf, aber heute nieselte es nur kurz und auf einen Schlag peitschte der Wind und der Regen gegen die Fenster des Autos und ich konnte fast nichts mehr durch die Scheiben sehen. Als wir eine Straße langfuhren kippte auf einmal direkt vor uns ein Baum auf die Straße und wir machten eine Vollbremse. Damit waren die anderen Schulen gecancelt, was mich irgendwie freute. Also fuhren wir zurück zur Schule und hörten auf dem Weg Musik von meinem Handy, dass ich ans Radio anschließen konnte. Außerdem ließen wir den Japaner in seiner Stadt raus.
Um 2 ging ich zur Schule, da heute die Abschlussparty der 10. Klassen für die 11-klässler steigen sollte. Sie fing schon um halb 1 an, aber ich hatte noch andere Sachen zu erledigen. Als ich ankam, hatte ich das Gefühl, dass fast taub werden würde, da die Livemusik von typischen Trommlern unglaublich laut war. Ich setzte mich auf die Tribüne und schaute dem Spektakel zu. Alle hatten Neon-Hüte auf und waren voller Neo-Farbe, die anscheinend vorher auf sie geschmissen wurde, und tanzten zur Musik. Ich war kaum 15 Minuten da und schon wurde alles angebrochen, da anscheinend ein paar Schüler heimlich auf der Toilette Marihuana geraucht hatten. Alle regten sich sehr auf, da wir schließlich jeder 7 Euro für diese Feier bezahlen mussten. Nach lautem Geschreie und Auseinandersetzungen zwischen Lehrer und Schüler, mussten schließlich alle nach Hause gehen und die Party war vorbei. Trotzdem hat es Spaß gemacht so etwas zu erleben auch wenn es nur 15 Minuten waren.

1. Orientation

Am Freitag musste ich um 5:30 früh aufstehen um mich mit den anderen Austauschschülern aus Paraíso im Zentrum zu treffen da wir von einer AFS-freiwilligen nach San Jose begleitet werden sollten. Wir fuhren 1 ein halb Stunden mit dem Bus und liefen dann nochmal 5 min. Wir kamen zur Haupt-AFS-Stelle in Costa Rica. Es waren schon viele aus anderen Komitees da und ich gesellte mich zu einigen deutschen Mädchen, die ich vom Arrival-Camp kannte. Freitag war wohl der anstrengendste Tag vom Wochenende, da wir die meiste Zeit nur in dieser Haupt-AFS-Zentrale saßen und warteten. Zuerst warteten wir darauf, dass alle Austauschschüler der 2. Gruppe (alle Austauschschüler wurden in 2 Gruppen geteilt und letztes Wochenende hatte die 1. Gruppe ihre Orientation) eintrafen. Dann gingen wir mit unseren Reisepässen und einem Dokument, dass wir davor ausfüllen mussten, zur Reise-, Einwanderungs-, Visumszentrale, die direkt eine Straße weiter war. Wir mussten dort ewig warten bis wir endlich dran waren. Jeder von uns wurde einzeln an einen Tisch gerufen und die Angestellten haben unsere Informationen überprüft. Wir wurden außerdem noch gefragt ob wir Narben oder Tattoos haben und ich habe mich gefragt warum, aber bisher ist mir noch keine sinnvolle Antwort darauf eingefallen. Als letztes wurden noch Fingerabdrücke von uns genommen. Alle Fingerspitzen zuerst einzeln und dann nochmal der Zeige, Mittel, Ring und Kleiner Finger zusammen. In der AFS-Zentrale warteten wir dann darauf, dass alle fertig wurden und als alle wieder im AFS-Büro waren warteten wir auf das Mittagessen. Nach 1 Stunde kamen dann die bestellten Pizzas und alle stürzten sich aufs Essen. Nachdem wir alle satt waren warteten wir darauf, dass alle einzeln aufgerufen wurden um ihr restliches Visumsgeld zu bezahlen. Zwischendurch gab es Kaffee und Kuchen und alle haben sich unterhalten.  Wir warteten darauf, dass alle ihr Visumsgeld bezahlten und wir endlich ins Hotel gefahren wurden. Im Hotel angekommen wurden wir auf unsere Zimmer verteilt. Ich war zusammen mit einer Deutschen, einer Türkin und einer Italienerin auf einem Zimmer. Es gab zwei Doppelbetten und ich teilte mir ein Bett mit der Deutschen. Da ich ein bisschen Kopfschmerzen vom anstrengenden Tag hatte und sehr müde war legte ich mich direkt hin und schlief ein. Das Abendessen verpasste ich, aber ich war viel zu müde um an Essen zu denken.
Am Samstag wurden wir um 6 geweckt, da es um 7 Frühstück gab. Es gab frische Früchte und Säfte, Toast, Ei, Pancakes und natürlich „Gallo Pinto“ (Reis mit Bohnen). Danach fuhren wir in einen sogenannten Bio-Park indem wir den Tag verbringen sollten. Als erste Aktivität an diesem Tag bildeten wir Gruppen und bekamen ein Blatt mit Fragen und Aufgaben die wir, während wir durch diesen Bio-Park gingen, lösen sollten. Es waren Fragen/Aufgaben wie: Es gibt über 50000 Pilzarten alleine in diesem Park. Nenne 2 verwendungsarten dieser Pilze. ; Wie heißen 2 Spinnenarten, die hier zu finden sind? ; Macht ein Foto von eurer ganzen Gruppe vor dem Beginn des Wasserfalls. Wir hatten leider nur 45 min. Zeit die kaum gereicht hat um alles in diesem Park zu entdecken, was ich sehr schade fand, da ich wunderschöne Pflanzen und die verschiedensten Tiere gesehen habe. Es gab wunderschöne Schmetterlinge, 2 Krokodile, Schildkröten, Leguane und vieles mehr. Die Pflanzen hatten so eine kräftige Farbe wie ich es noch nie gesehen habe (Fotos in der Galerie). Das einzige was an diesem Erlebnis gestört hat war, dass ein Weg durch das Grün führte und man nicht vollständig das Gefühl entwickeln konnte man sei im Urwald. Wir werteten danach den Fragebogen in Gruppen aus und besprachen ihn. Nach dem leckeren Mittagessen gab es noch 2 Aufgaben die wir vorhatten. Als erstes sollten wir uns in Ländern zusammenfinden. Wir sollten einen Baum malen indem die Baumkrone die Sachen darstellt, die man von einem Land bzw. einer Kultur direkt sehen kann und mitbekommt, der Stamm die Geschichte und Gebräuche und die Wurzeln die Werte bzw. die Faktoren aus einem Land die man nach und nach durch das Leben in einem Land mitbekommt. Danach sollten sich die Leute zusammensetzen die in einer Stadt leben und aufmalen und schreiben was unsere Gemeinschaft ausmacht. Familie, Freunde, Schule, Verwandte, Feste, Märkte, etc. Nach dem langen, anstrengenden und warmen Tag war ich mal wieder todmüde. Ich glaube mir fehlte der morgendliche und abendliche Kaffee.

Heute jedenfalls haben AFS-Freiwillige nach dem Frühstück uns nochmal über Risiken, Probleme und den Umgang zu solchen Problemen präsentiert und uns nochmal erklärt wie das mit Reisen hier funktioniert. Dann wurden wir mit den AFS-Bussen nach Hause gefahren und ich bin mit meiner Gastmutter und Gastschwester essen gegangen.
Eigentlich sollte ich jetzt endlich anfangen die Deutschland-Präsentation, die ich in 2 Wochen vor der ganzen Schule halten muss, zu machen, aber ich bin fertig von diesem Wochenende und will mich einfach ein bisschen ausruhen.

Das Wochenende hat mir gezeigt, wofür wir eigentlich hier sind. Wir wollen Kultur, Menschen, Natur, Alltag und Familie und Freunde. Wir sind hier um unseren Horizont zu erweitern und verstehen zu lernen andere Kulturen zu akzeptieren und in ihnen leben zu können. Es gibt harte Zeit in diesem Jahr, aber man muss sie überwinden und durchstehen um letztendlich das zu bekommen was man bekommen will: Ein offenes Herz und eine offene Seele für alles Unbekannte.

River-Rafting

Unbeschreiblich. Wenn ich das River-Rafting nur so beschreiben kann, wie soll das dann mit den nächsten Ausflügen werden?

IMG_2242Um 6 Uhr früh trafen sich alle Austauschschüler aus Paraíso auf dem zentralen Platz. Ich war die einzige die ihre Geschwister mitgenommen hatte. Kurz danach trafen auch schon die Busse mit den anderen aus Cartago und Umgebung ein. Ich war noch sehr müde auf der Fahrt, aber die Aussicht war viel zu schön um die Augen zu zu machen. Überall Berge, eine vollkommen klare und sehr sehr weite Sicht und schneeweiße Wolken. Ich sah zum ersten mal, leider nur von Weitem, einen rauchenden Vulkan. Nach 1 Stunde hielten wir an um zu Frühstücken. Ein typisches Frühstück. D.h. „Gallo Pinto“ (Reis mit Bohnen), ein Stück Brot mit Butter und Ei. Nach einer weiteren Stunde Fahrt kamen wir endlich an. Wir fuhren sehr steil einen steinigen Weg hinab und es fing an immer grüner zu werden. Als wir unten am Fluss ankamen war es, als wäre man in einer Schlucht. Wir waren von meterhohen Bäumen, Büschen und etlichen anderen Pflanzen umgeben. Wir ließen unsere Sachen im Bus und zogen uns eine Rettungsweste und einen Helm an.

Dann teilten wir uns in 4 10616059_10152668192692114_4609540202304768155_nGruppen a 6-7 Personen und stiegen schon mal ins Boot. Dann bekamen wir von unseren Führern den Ablauf und die Regeln mitgeteilt. Unser Führer war Amerikaner. Wir hatten ihn auf der Fahrt schon kennengelernt. Er ist hier nach Costa Rica gezogen, um von seiner Ex wegzukommen und hat hier eine neue Familie gegründet. Das war vor 21 Jahren und er ist bisher nicht einmal wieder in Amerika gewesen. Sein ganzes Gesicht und seine Arme waren tätowiert, was ihn mir noch sympathischer machte. Er erklärte uns, was wir tun sollen, wenn er bestimmte Wörter sagt. Es gab vorwärts, rückwärts, links rückwärts, rechts rückwärts, Paddel hoch und Boden. Bei Boden sollten wir uns vom Rand auf dem wir saßen ins Boot setzen und uns gut festhalten. Dies war immer der Fall wenn wir in ein sogenanntes Tal fuhren. Das heißt, dass immer wenn etwas größere Steine auf dem Grund lagen und das Wasser daran abprallte und sozusagen zurückgeworfen wurde, dass sich dort dieses sogenannte Tal bildet. Unser Führer erklärte uns, dass man mit voller Geschwindigkeit in so ein Tal reinfahren muss, damit das Boot nicht nach unten gezogen wird und kentert. Ich war aufgeregt als es los ging, aber nach einiger Zeit hatte man sich an die Abläufe an den Stellen an denen es viele Steine gab, also wo der Fluss viele von diesen Tälern bildet, gewöhnt und ich konnte die ganze Fahrt, die 3 Stunden dauerte, nicht aufhören zu grinsen. Schon als das Boot am Anfang ins Wasser gelassen wurde, strömte so viel Wasser rein, dass meine Schuhe direkt nass waren. Nach der ersten heiklen Stelle war ich dann von Kopf bis Fuß komplett nass, aber da es heute sehr sonnig und heiß war, war es eine tolle Abkühlung. Ich saß neben unserem Führer und wir unterhielten uns manchmal, wenn der Fluss ruhiger war und wir uns treiben lassen konnten. Es gab eine Situation, an der ich fast ins Wasser gefallen wäre, da unser Boot so ruckartig von diesen Bergen und Tälern erfasst wurde aber da unser Leiter uns am Anfang gezeigt hatte, wie man ein Bein einklemmte, damit man sich, wenn der Oberkörper fast im Wasser hängt, wieder hochziehen kann, entkam ich dieser Situation.
uuhWir waren übrigens auch das einzige Boot, das nur eine Personen hatte, die über Bord gegangen ist. Von den anderen Gruppen sind nämlich viele bei heftigen auf- und ab Gängen ins Wasser gefallen. An einer Stelle wo der Fluss sehr ruhig war, durften wir ins Wasser springen und rumschwimmen. Es war unglaublich. Du lagst im Wasser, schautest nach oben und sahst nur den klaren blauen Himmel und das starke grün des Urwalds. Es überkam mich ein Gefühl der Freiheit und ich fühlte mich mehr als wohl. Leider konnten wir nur kurz baden, da der Fluss dann wieder eine gefährliche Stelle erreichte. Die nächsten Stunden oder Minuten vergingen dann wie im Flug. Wir kamen an kleinen und großen Wasserfällen vorbei und an der schönsten Natur vorbei, die ich nur aus Brasilien kenne. Als wir dann das erste nicht natürliche sahen, eine Zugbrücke und dahinter eine Autobahnbrücke, dauerte es nicht mehr lange, dass wir anlegten. Alle waren erschöpft und gingen duschen und sich trockene Klamotten anziehen. Danach gab es frische Wassermelone und Ananas für alle und man konnte sich „Empanadas“ (sowas ähnliches wie Teigtaschen) selber mit Salat, Wurst und Käse füllen. Wir stürzten uns alle förmlich auf das Essen und waren danach sehr zufrieden. Von der Rückfahrt bekam ich nicht viel mit, da ich die meiste Zeit schlief. Ich bin jetzt noch so überwältigt von dem, was ich alles gesehen habe und wie ich am Anfang erwähnt habe, kann man das eigentlich nicht beschreiben.
Ich habe so viel Unterschiedliches auf der Fahrt gefühlt. Freude über die unglaublich schöne Natur, Freiheit, da wir auf einem Fluss mitten im Urwald lang fuhren und das Gefühl, dass ich so etwas immer haben will. Ich habe an meine Zukunft gedacht und ich war und bin mir sicher, dass es auf der Welt zu viele unglaubliche Orte zu sehen gibt, um auch nur eine Sekunde des Lebens zu verschwenden und dass ich auf jeden Fall nicht in Deutschland leben will, sondern mein Leben wirklich leben will und es nicht mit Arbeit vollpacken will, um mir dann irgendwann mal einen Urlaub leisten zu können. Menschen leben in so einem vielseitigen und wunderschönen Land und brauchen nicht viel Geld um solche schönen Plätze zu sehen. Sie wissen wo sie hinfahren müssen um bestimmte Sachen zu sehen und zu erleben und planen sowas als Tagesausflug. Damit meine ich nicht, dass sich jeder River-Rafting leisten kann, sondern, dass die Leute hier wissen wo es schöne Plätze gibt und einfach mit dem Auto hinfahren. Es ist doch so, dass nur die einheimischen wirklich wissen wo man und wie man an die wirklich schönen Stellen hinkommt.
Ich bin jedenfalls einen Schritt näher an das rangekommen, was ich mir für meine Zukunft wünsche und um jeden Preis umsetzen will.

Meine erste Note

fiechHeute war eigentlich ein ganz normaler Schultag. Wir schreiben zwar fast jeden Tag noch Arbeiten, aber heute habe ich meine erste Arbeit, die ich mitgeschrieben habe, zurückbekommen. Mathe. Obwohl ich besser als einige aus meiner Klasse bin, bin ich nicht mit meiner Note zufrieden. Ich habe 64 Punkte von 100. Mein Mathelehrer hat gesagt, dass das nicht schlecht für meine erste Arbeit ist, aber als ich mir die Fehler anschaute stellte ich fest, dass die meisten einfach nur aus nicht-richtig-nachdenken entstanden sind. Trotzdem bin ich stolz, dass ich ich eine 64 geschafft habe. Morgen schreiben wir Spanisch und Rechte Costa Ricas. Die 2 Fächer in denen ich wirklich nichts verstehe. Wahrscheinlich muss ich auch nicht mitschreiben, da die Lehrer mitbekommen haben, dass ich nichts verstehe.
Und sonst bin ich in den meisten Fächern meinen Klassenkameraden voraus. In Mathe behandeln wir jetzt lineare Funktionen und in Physik sind wir grad bei sich bewegenden Körpern. Eigentlich sitze ich die ganze Stunde nur rum und warte darauf, dass die anderen mit den Aufgaben fertig werden die wir lösen sollten.

Diese Riesenheuschrecke saß heute Morgen an der Wand neben der Tür zum Musikraum. Sie war länger als mein Mittelfinger und es ist das erste Tier, dass ich hier gesehen habe, dass es in Deutschland nicht gibt.

Ich habe mich langsam wirklich eingelebt und bestreite jede Woche fast den gleichen Alltag (–> Hier findest du den Beitrag zu meinem Alltag).
Ich habe manchmal das Gefühl, dass ich mich hier zu Zuhause fühle. Ich weiß nicht wie ich das ausdrücken soll, aber manchmal tue ich einfach Dinge, die bei mir Zuhause selbstverständlich und normal gewesen wären, aber ich nicht weiß ob das hier genauso ist. Z.B.: Meine Gastmutter hat Gurken und Tomaten in Scheiben geschnitten und isst ab und zu eine Scheibe während sie weiterkocht. Da ich das von Zuhause gewohnt bin nehme ich mir einfach auch eine Scheibe, aber ich weiß nicht ob das für die kurze Zeit die ich hier bin unhöflich kommt. Ich versuche mir dann immer die Situation andersherum vorzustellen. Wenn ich einen Gastschüler bei mir Zuhause hätte und er oder sie würde das so machen wie ich das mache, wie würde ich mich dann fühlen? Wäre es etwas ganz normales oder wäre das komisch?

Alltag

Eigentlich besteht meine Woche nur aus Schule und wie die Schultage ablaufen habe ich schon in einem anderen Beitrag geschrieben (–> Hier kommst du zum Schulalltag). Dennoch wollte ich die anderen Dinge beschreiben die in meiner Woche so anstehen. Montags komme ich sehr früh aus der Schule. Manchmal treffe ich mich direkt danach mit meiner Gastmutter in der Stadt oder wir gehen zusammen wenn ich Zuhause angekommen bin. Wir gehen für das Mittagessen einkaufen, wobei ich immer hoffe, dass sie nicht nach den „Frijoles“ (Pürierte Bohnen) greift, obwohl ich mich langsam an sie gewöhne und sie einfach runterschlucke. Sie kocht jeden Tag frisch und geht auch jeden Tag für das Mittagessen neu einkaufen. Deswegen ist unser Kühlschrank auch fast leer, außer ein paar Früchten und Butter für den Toast. Montags helfe ich ihr manchmal beim Essen machen und wir haben Zeit ein bisschen zu reden. Nach dem Mittagessen guckt meine Gastmutter meistens in ihrem Bett fern oder schläft. In der Zeit checke ich meine Mails und beschäftige mich im Internet. Abends isst die ganze Familie zusammen Brot und trinkt Kaffee. Dabei wird immer munter vom Tag oder den neusten Erlebnissen erzählt. In den letzten Wochen sind danach meine Gastschwestern direkt wieder in ihrem Zimmer verschwunden, da sie für ihr Abitur lernen mussten, aber bald haben sie es geschafft und ich frage mich was sie dann machen werden. Sie wollen beide glaube ich studieren, aber sind sich noch nicht so sicher was.
Dienstag ist ein langer Schultag. Ich esse in der Schule zu Mittag und wenn ich um halb 5 nach Hause komme gibt es Kaffee und Brot (bzw. entweder Weißtoast und Baguette). Um ca. 7-8 gehen meine Mutter und ich dann ins Fitnessstudio. Sie hat dort Tanzstunden und ich verbringe die Zeit auf dem Laufband oder versuche mich an irgendwelchen Geräten.
Mittwoch läuft es ganz ähnlich ab. Um 19:15 habe ich Taekwondo und danach bin ich meistens völlig fertig, dass ich direkt ins Bett falle.
Donnerstag habe ich eine Schulstunde früher Schluss, aber zu Hause hängen wir auch meistens nur ab, essen, trinken, reden, Familienleben halt.
Freitag habe ich sogar 2 Schulstunden früher Schluss und gehe manchmal gerne noch alleine in den Park und genieße es alleine zu sein. Um 19:15 habe ich dann wieder Taekwondo und genieße es am Abend einzuschlafen in dem Wissen, dass ich morgen ausschlafen kann. In letzter Zeit bin ich nämlich doch sehr müde, wenn ich morgens um 6 von meinem Wecker geweckt werde.
Am Wochenende haben meine Familie und ich schon einmal einen Ausflug gemacht (–> Hier der Beitrag zum ersten Familienausflug) und wir planen weitere. Die letzten Wochenenden und die kommenden habe ich immer Programm. Dieses Wochenende geht das AFS-Komitee von Paraíso mit uns Wild-Wasser-Rafting machen und die Familie kann auch mitkommen. Meine (echte) Mutter hat meine 2 Gastschwestern eingelanden, da es für sie zu teuer gewesen wäre und ich freue mich sehr darauf. Nächstes Wochenende ist dann das erste AFS-Camp (bzw. Orientation) auf das ich sehr gespannt bin.
Bisher haben meine Klassenkameradinnen und ich uns noch nicht zusammen getroffen, aber ich hoffe, dass wenn ich noch mehr in allem drin bin sich das auch ändert und ic sie vielleicht auch mehr dazu animieren kann etwas zusammen zu unternehmen.