Am Mittwochabend kam eine Freundin spontan zu Besuch, obwohl ich eigentlich mit meiner besten Freundin verabredet war. Nachdem ich sie mehrmals gefragt hatte, warum sie gekommen ist und darauf keine richtige Antwort bekam bzw. sie versuchte irgendetwas zu verstecken, merkte ich das etwas nicht stimmte. Auf einmal klopfte es dann und meine Freundin aus Kiel stand vor der Tür, da wurde mit klar, dass meine Mutter mir eine Überraschungsparty geben wollte. Es kamen immer mehr und ich war irgendwie überfordert mich allen meinen Freunden und Bekannten gleichzeitig zu widmen. Trotzdem war es ein sehr schöner Abschiedsabend und ich war sehr gerührt, dass so viele Leute extra für mich gekommen sind.
Am nächsten Tag wachte ich mit meiner besten Freundin auf und es ging los. Ich packte noch schnell die restlichen Sachen in meinen Koffer und ich musste mich von meinem kleinen Bruder verabschieden, der in dem Moment schlecht drauf war, da er nicht viel geschlafen hatte. Meine Mutter weinte desswegen, weil er sich nicht richtig von mir verabschieden konnte. Aber ich fand es gut so. Er hätte es sowieso nicht wirklich verstanden und als er schlief konnte ich mich in Ruhe von ihm verabschieden, auch wenn er es nicht mitbekommen hat. Ihn das letzte Mal zu sehen machte mich sehr traurig und schluckte ein paar Tränen runter. Ich machte es so schnell wie möglich ein paar Worte zu ihm im Schlaf zu sagen, damit ich nicht noch trauriger wurde und verdrängte einfach den Gedanken, dass ich ihn eine lange Zeit nicht mehr sehen werde.
Jedenfalls fuhren wir dann los und kamen Nachmittags in Frankfurt an. Wir gingen in einem netten Restaurant essen und machten uns noch einen schönen Abend und konnten es garnicht glauben, dass der nächste Tag, DER Tag ist.
Am morgen hatte ich keine Zeit irgendetwas zu machen, außer kurz zu duschen, denn wir hatten ein bischen verschlafen und mussten los, da wir eine halbe Stunde zum Flughafen brauchten. Da angekommen, sehen ich Papa zwischen allen anderen Eltern und Austauschschülern stehen. Bis dahin war ich noch nicht ernsthaft bedrückt gewesen und war es danach auch nicht. Zuerst ging alles ganz langsam. Ich musste anstehen und meinen Koffer aufgeben und warten bis alle damit fertig waren. Dann ging plötzlich alles ganz schnell. Die Betreuerin, die uns nach Costa Rica brachte sagte wir sollen uns jetzt verabschieden. Dies gab mir einen Stich ins Herz, da es so plötzlich kam. Wir verabschiedeten uns und meine Schwester fing an zu weinen, aber ich musste durch die Sicherheitskontrolle. Ich ging ein paar Mal zu ihnen zurück um nochmal Tschüs zu sagen. Das letzte Mal sah ich meine beste Freundin, die versuchte ihre Tränen vor mir zu verstecken. Dies brach mir endgültig das Herz und mir kullerten auch Tränen hinunter, aber da ich dann dran war meinen Handgepäckkoffer auf das Band zu legen blieb nicht genug Zeit, meiner besten Freundin genug Mut zuzureden um ihre Tränen zu versiegeln. Nachdem ich durch war, sah ich sie alle nur noch winken immer wenn ich geguckt habe. Ich hatte Tränen in den Augen, aber auch dann blieb nicht viel Zeit, da wir unseren Flug bekommen mussten. Also riss ich mich zusammen und es ging ins Flugzeug. Als der Flieger gestartet ist habe ich „Next Year“ von den Foo Fighters auf Kopfhörern laufen lassen und habe angefangen, die Briefe, die mir geschenkt wurden, zu lesen. Als ich den meiner Schwester las, kamen mir die ersten Tränen, obwohl sie nicht alzu viel geschrieben hatte. Danach den von meinem Vater, den er wie immer sehr kreativ gestaltet hatte. Tränen liefen immer schneller meine Wange hinab und der letzte Brief von meiner besten Freundin brachten mich leztendlich richtig zum weinen. Da ich aber im Flugzeug saß und mir das irgendwie peinlich war, ünterdrückte ich alles und hörte einfach nur Musik. Der Flug von Frankfurt nach Madrid verging relativ schnell und das Umsteigen war stressig, da der Flughafen von Madrid riesig ist und wir nur eine Stunde Zeit hatten um zu steigen.
Dann ging es erst richtig los. Der 11-Stunden-Flug nach San Jose, Costa Rica. Ich las, hörte Musik, schlief und schaute Filme, die auf dem Fernseher für alle liefen. Es gab drei Mahlzeiten. Die erste war das Mittagessen. Es gab Reis mit Gemüse, dazu Salat und als Nachtisch einen Brownie. Trinken gab es so viel wie man wollte. Die zweite Mahlzeit habe ich leider verpasst, aber ich hatte eh kein Hunger. Die letzte Mahlzeit gab es kurz vor der Landung: Ein Weißbrötchen mit Wurst, einen Joghurt und ein Kuchenstück.
Und dann war es endlich soweit. Wir landeten. Ich packte meine Sachen zusammen und versuchte mir klar zu machen, dass alles was ich mir bisher nur vorgestellt hatte, jetzt Wirklichkeit ist. Ich bin in Costa Rica und ab jetzt gibt es kein Zurück mehr. Ich ging langsam auf den Ausgang zu und schaute den langen Gang entlang, der mich in mein neues Leben führen würde und den ich jetzt endgültig gewagt hatte.
Als ich nach Draußen kam, regnete es in Strömen. Große Wassertropfen fielen vom Himmel und im ersten Augenblick dachte ich, wir hätten Deutschland noch garnicht verlassen. Doch als wir mit dem Bus abgeholt wurden und wir im Regen die Straßen von San Jose langfuhren, sah man das Tropische durchschimmern. Es gab Palmen und bunte Büsche. Wolken, die in einem kleinen Tal voller Sträuchern tiefer waren als wir mit dem Bus fuhren. In der Ferne sah mal Favelas und die Straße war voll von kleinen Schlaglöchern.
Die Schule in der wir bis Sonntag wohnen ist riesig und wunderschön. Aufgebaut wie lange Tunnel, die aber links und rechts offen sind und überall Natur. Bunte Blüten, tropische Sträucher und einen riesigen Mammutbaum.
Jetzt sitze ich in meinem Zimmer, dass ich mit noch zwei anderen Mädchen teile und begreife immer noch nicht, dass ich jetzt 8000 km weit weg von meiner Familie und meinen Freunden bin und frage mich wann die Erkenntnis kommt und ob sie mich hart treffen wird oder ob ich mich dann nur noch mehr freue hier zu sein.
Hi Lana,
für dich ein tolles Jahr! Vielen Danke für deinen schönen Brief, ich habe mich sehr gefreut!
Grüsse, Winni